Sonntag, 30. Oktober 2016

[Weekly Wrap Up] Der "Angstmann" und eine junge Frau mit einer roten Handtasche, die in Venedig nicht nur einem alten Geheimnis sondern auch der Liebe begegnet

So und hier ist mein zweiter Teil :)

 
Der „Angstmann“ von Frank Goldhammer hat mich nicht mehr losgelassen, nach dem ich einmal mit dem Lesen begonnen hatte. Das lag aber nur zum Teil am Krimipart...Im Großen und Ganzen war es das Setting, das mich an die Seiten gefesselt hat. Denn der Krimi spielt nicht in der heutigen Zeit, sondern zu Ende des zweiten Weltkriegs. Wir erfahren viel vom Alltag zu der damaligen Zeit: das stundenlange Anstehen damit wenigstens eine kleine, kärgliche Mahlzeit auf den Tisch kommt, nächtlicher Bombenalarm und Ausharren im Luftschutzbunker, ein nicht abreißender Flüchtlingsstrom aus Schlesien, SS-Männer, die noch immer an den großen Sieg glauben und alles andere als unwichtig sehen. Der Autor gewährt seinen Lesern einen authentischen Einblick. Dank seiner bildhaften Beschreibungen, kam es mir so vor, als wäre ich direkt vor Ort und würde das ganze Elend mit meinen eigenen Augen wahrnehmen. Es hat mich wirklich betroffen gemacht!

Und als wäre das schlimm genug, treibt seit einiger Zeit ein Mörder – die Bevölkerung hat ihm den Namen Angstmann gegeben - sein Unwesen und bringt junge Frauen auf brutalste Weise ums Leben. Die Ermittlungsarbeit erweist sich als schwierig, da Kriminalinspektor Max Heller kaum Personal zu Verfügung steht um Beweise zu sammeln etc. Auch die Zeugenbefragung erweist sich als Schwerstarbeit, da sich die Menschen untereinander nicht mehr vertrauen. Doch Max Heller gibt nicht auf. Er möchte den Angstmann auf jeden Fall zur Strecke bringen.

Im Lauf der Geschichte finden sich immer neue Hinweise. Einige Male war sich Max Vorgesetzer sicher den Angstmann gefasst zu haben, was sich kurz darauf aber als Fehler erwies. Trotz allem glich die Spannung einer Berg- und Talfahrt. Die Suche nach dem Angstmann rückt immer mal wieder in Hintergrund, da die aktuellen zeitlichen Geschehnisse mehr Aufmerksamkeit erhalten haben. Hier und da hat es sich ein wenig in die Länge gezogen. Dann gab es aber wieder überraschende und unerwartete Wendungen, sodass der Angstmann wieder super präsent war. Vor allem zu Ende haben Wendungen auf mich gewartet, die mich begeistert haben. Sie haben nämlich gezeigt, dass der ganze Fall viel verzweigter bzw. viel mehr Personen/Einzelschicksale dabei eine Rolle spielen (Sorry kann’s nicht besser erklären, ohne zu spoilern). Das Ende hat es echt herausgerissen, sodass es 4 statt 3 Sterne gibt.

Ich muss ja sagen, dass ich anfangs ein wenig meine Zweifel hatte, ob das damals bei der Polizei wirklich so zugegangen ist. Hinten im Buch war noch ein Interview mit dem Autor abgedruckt, in dem er erzählt, dass er sich mit jemand aus dem Polizeiarchiv in Dresden unterhalten hat, der sich besonders gut in der Polizeihistorie auskennt, daher glaube ich ihm seine Schilderungen einfach mal. Nichtsdestotrotz gab es Dinge, die ich weiterhin für ein wenig unrealistisch halte.
 

 
 
Auch mit dieser Geschichte ist es Nicolas Barreau gelungen mich in den Bann zu ziehen und mir ein absolutes Wohlfühlgefühl zu vermitteln. Ich bin vollkommen in die Welt der Protagonistin Nelly abgetaucht. Dort hat es mir so gut gefallen, dass ich fast nichts um mich herum wahrgenommen haben und wahrnehmen wollte.

Mit Nelly konnte ich mich erstaunlich gut identifizieren und ich habe mich zum Teil auch in ihr wieder erkannt. Nelly ist ein schüchterner und eher zurückhaltender Mensch, der ab und zu der Mut fehlt bestimmte Sache in ihrem Leben anzugehen, da sie sich meistens zu wenig zutraut. Ihre Ängste, Sorgen und Bedenken gewinnen oft die Oberhand, sodass es passiert, dass das Leben und all die verschiedenen Dinge, die es zu bieten hat, ein wenig an ihr vorbeiziehen. Sie überlässt es lieber dem Schicksal bzw. dem Zufall den ersten Schritt zu tun. Doch wie wir wissen hat das Schicksal meist ganz andere Pläne für uns. Nelly muss das leider am eigenen Leib erfahren. Der Professor, in den sie schon seit fast einem Jahr verliebt ist und bei dem sie immer auf ein Zeichen seinerseits gewartet hatte, eröffnet ihr, dass er mit einer anderen sein Glück gefunden hat. Nelly ist natürlich am Boden zerstört (Ich habe echt mit ihr gelitten), doch nach ein paar Tagen, in denen sie sich ihrem Liebeskummer hingegeben hat, macht sie etwas, was für sie ganz untypisch ist. Sie steigt in einen Zug auf den Weg nach Venedig und das wegen eines Satzes, den sie in einem alten Buch ihrer Großmutter gefunden hat. Ein Satz, der auch in dem Ring eingraviert ist, den sie von ihrer Oma vererbt bekommen hat. Wir begeben uns also in die Vergangenheit ihrer Großmutter, was mich total neugierig gemacht hat.

In Venedig angekommen gibt uns der Autor etwas Zeit, um mit Nelly die Stadt zu erkunden. Er beschreibt sehr bildhaft, sodass man das Gefühl hat direkt mit vor Ort zu sein. Außerdem hat er es geschafft, dass ich nun von Venedig genauso verzaubert bin wie von Paris.

Schließlich tritt der Venezianer Valentino in Nellys Leben. Im Gegensatz zu Nelly war ich sogleich begeistert von ihm -vor allem als ich Abschnitte aus seiner Perspektive lesen durfte. Nelly hat gewaltig Eindruck bei ihm gemacht und er wünscht sich nichts mehr als die hübsche Französin mit der roten Handtasche wieder zu treffen. Dementsprechend habe ich mich geärgert, dass Nelly ihn gleich – obwohl sie ihn noch gar nicht kannte - als Draufgänger und Casanova abgestempelt hat. Und das nur, weil sie sich irgendwann einmal eingeredet hat, dass sie sich von gutaussehenden Männern fernhalten sollte, da diese außer ihrem guten Aussehen nichts zu bieten haben. Was für ein blödes Vorurteil! Gutaussehende Männer können sehr wohl auch schlau, witzig, charmant etc. sein.

Mit dem folgenden Handlungsverlauf konnte mich Nicholas Barreau allerdings wieder besänftigen (Wenn ich auch hier immer mal wieder mit Charakterzügen von Nelly konfrontiert wurde, die ich nicht so mochte). Mit einem Lächeln auf den Lippen habe ich Nellys weiteren Aufenthalt in Venedig mitverfolgt und mich gefreut, dass Valentino zu einer festen Größe dabei wurde. Damit es spannend bleibt, wurden ein paar kleine Missverständnisse eingebaut, wovon eins sogar recht amüsant war.

Kurz noch etwas zu Nellys Großmutter Claire. Ich finde, dass Claire eine bemerkenswerte Frau war. Für die Zeit in der sie aufgewachsen ist, war sie bereits als Teenager eine erstaunlich emanzipierte, selbstbewusste und unabhängige Frau, die wusste, dass sie das Leben selbst in die Hand nehmen muss, damit es die Richtung einschlägt, die man möchte. Dass wird Nelly mit der Zeit auch klar. Leider hat sie ihre Passivität nicht vollkommen abgelegt, was mich teilweise etwas genervt hat. 

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- Sarina