Sonntag, 29. Mai 2016

(Leseeindruck) "Heute sind wir Freunde" von Patrycja Spychalski

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Nell, Leo, Chris, Anton und Valeska sind so verschieden wie Tag und Nacht. Da werden sie versehentlich in der Schule eingesperrt. Gar nicht so schlimm denkt sich Nell, ist sie doch schon lange in Leo verknallt. Super, findet Chris, ist er doch schon ewig in Nell verknallt. Kein Bock hier den Aufpasser zu spielen, denkt sich Streber Anton. Die haben doch keine Ahnung, wer ich wirklich bin, denkt sich Schulschönheit Valeska. Und Leo? Der ist einfach zu cool für diese Welt. Oder doch nicht? Am nächsten Morgen ist nicht nur ein Liebespaar aus der Nacht hervorgegangen, sondern auch fünf Freunde, die es gestern noch nicht waren, aber heute sind … und es vielleicht sogar bleiben. 

 
Da mir „Bevor die Nacht geht“ von Patricja Spychalski damals so gut gefallen hat, habe ich mich wirklich sehr weshalb auf „Heute sind wir Freunde“ gefreut. Leider konnte mich diese Geschichte jedoch nicht im gleichen Maße begeistern. Damit möchte ich nicht sagen, dass es ein schlechtes Buch war. Im Gegenteil! Der leichte und flüssige Schreibstil hat mich ratzfatz durch die Seiten fliegen lassen. Außerdem hat es mir gefallen, wie viel Tiefgang die Geschichte hatte und wie oft sie mich zum nachdenken gebracht hat.

Auch wenn man sich noch so oft vernimmt nicht voreingenommen zu sein, geschieht es fast automatisch, dass man eine Person erst einmal aufgrund seines Äußeren und seines Auftretens beurteilt und daraufhin ein Bild von demjenigen zusammenbastelt. Und von dem was man sich zusammengereimt hat, machen wir schließlich unsere Sympathie abhängig bzw. entscheiden wir, ob wir uns die Mühe machen sollen denjenigen besser kennenzulernen. Dabei sollten wir eigentlich jedem diese Chance geben, da sich in den meisten Fällen herausstellt, dass derjenige ganz anders ist, als man gedacht hat.

Bei unseren Protagonisten ist es genauso. Jeder der fünf hat zu Anfang erst einmal ein bestimmtes Bild von dem jeweils anderen. Nell ist z.B. das nette und ein wenig unscheinbare Mädchen von Nebenan, wohingegen Chris der Nerd ist, der die Welt hauptsächlich durch das Objektiv seiner Kamera betrachtet. Anton erfüllt jedes noch so kleine Klischee eines Strebers. Valeska dagegen ist die kühle und arrogante Schulschönheit, die immer über alles und jedem erhaben zu sein scheint. Und Leo…Leo ist ein echter Draufgänger und der Schwarm aller Mädchen. Da die Kapitel immer abwechselnd aus der Sicht von einem der fünf erzählt wird, haben wir im Laufe der Geschichte nicht nur die Möglichkeit in die Gedanken und Gefühle jedes einzelnen einzutauchen und sie Stück für Stück kennenzulernen, sondern auch hinter ihre Fassade zu blicken. Dabei war ich mehr als einmal überrascht wie sehr die Fremd- und die Eigenwahrnehmung voneinander abweicht. In jedem der fünf steckt viel mehr, als er oder sie zunächst zeigen möchte. Zu sich selbst zu stehen und auch so wie man wirklich ist aufzutreten, ist nämlich gar nicht so leicht und kostet einiges an Mut. Es ist viel einfacher eine Rolle zu spielen und vorzugegeben jemand zu sein, der man eigentlich nicht ist, um dazuzugehören.

Das stellen die fünf schließlich auch fest. Je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr wird ihnen bewusst, wie falsch sie einander eingeschätzt haben. Ich fand es schön zu sehen, wie sie langsam Vertrauen zueinander gefunden haben, sodass es schließlich auch keine Rolle mehr gespielt hat, dass sie bis zu diesem Tag kaum etwas miteinander zu tun hatten. Und obwohl sie so unterschiedlich sind, harmonieren sie eigentlich ganz gut miteinander. Wenn sie ehrlich, dann schätzen sie die Gesellschaft der anderen doch sehr.

Die Charaktere sind absolut authentisch und lebendig gezeichnet. Ich konnte ihre Träume und Hoffnungen, Ängste und Zweifel sehr gut nachvollziehen, da mich damals, als ich in ihrem Alter war, ähnliches beschäftigt hat. Schade, dass ich bis zum Schluss nicht vollkommen warm mit ihnen geworden bin. Vor allem mit Valeska hatte ich meine Probleme. So wie sie sich in ihren Kapiteln gibt, mochte ich sie echt gerne. Wenn ich sie jedoch aus Sicht der anderen erlebt habe, dann fand ich Verhalten teilweise ganz schön von oben herab und zickig.

Die Nacht gestaltet sich sehr ereignisreich, sodass es einem während es Lesens nicht langweilig wird. Man ist neugierig, was sich die fünf noch einfallen lassen, um sich die Zeit zu vertreiben. Ich muss allerdings sagen, dass mir ein paar Entwicklungen nicht ganz so gut gefallen haben. Das eine oder andere war mir auch ein wenig zu überstürzt. Am Ende hätte ich gerne noch ein paar mehr Seiten gehabt, damit Patrycja Spychalski den oder den Aspekt etwas länger hätte ausführen können. Außerdem hätte ich gerne gewusst, wie es mit der beginnenden Freundschaft der fünf weitergeht. Gehen sie am Montag in der Schule wieder getrennte Wege und tun so als würde sie sich nicht kennen?  

 
In „Heute sind wir Freunde“ lässt Patrycja Spychalski fünf unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen, die notgedrungen Zeit miteinander verbringen müssen und sich dabei nicht nur miteinander anfreunden, sondern auch lernen, wie wichtig es ist zu sich selbst zu stehen. Diese Entwicklung zu beobachten fand ich sehr schön. Leider gab es aber auch Ereignisse, die mir nicht so gut gefallen haben. Vor allem zu Ende ging alles ein wenig zu schnell. Ein paar mehr Seiten hätten hier sicher nicht geschadet. 
 


Patrycja Spychalski, geboren 1979 in Starogard, Polen, zog im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Berlin. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Schauspielausbildung, wandte sich dann aber einem ganz anderen Bereich zu: Seit 2002 arbeitet sie in vielfältigen sozial-kulturellen Projekten mit Kindern und Jugendlichen. Sie schrieb mehrere Kurzgeschichten für Anthologien, bevor sie ihren ersten Roman Ich würde dich so gerne küssen verfasste. [Quelle: Verlagshomepage cbt]



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- Sarina