Montag, 23. Mai 2016

(Leseeindruck) "Die längste Nacht" von Isabel Abedi

http://www.arena-verlag.de/artikel/die-langste-nacht-978-3-401-06189-4 
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Es sind nur ein paar Sätze in einem noch unveröffentlichten Manuskript, das Vita im Arbeitszimmer ihres Vaters findet – aber etwas an ihnen verzaubert und verstört die Siebzehnjährige gleichzeitig. Wenig später bricht sie mit ihren Freunden zu einer Fahrt quer durch Europa auf und stößt in Italien durch Zufall auf den Schauplatz des Manuskripts: Viagello, ein malerisches kleines Dorf. Der Ort strahlt für Vita eine merkwürdige Anziehungskraft aus, die noch stärker wird, als ihr der Seiltänzer Luca buchstäblich vor die Füße fällt. Auf den ersten Blick ist Luca für Vita etwas Besonderes, doch etwas an ihm und seiner Familie kann sie nicht fassen. Noch ahnt sie nicht, dass er sie auf eine Reise tief in ihre Erinnerungen führen wird, an deren Ende etwas steht, was einst in Viagello geschah – in jener längsten Nacht... 

 
Bereits die ersten Sätze, in denen uns Vita einen kleinen und geheimnisvoll formulierten Ausblick auf die kommenden Ereignisse gibt, haben mich schon an die Seiten gefesselt. Ich konnte es gar nicht erwarten weiterzulesen, um mehr darüber zu erfahren. Meine Neugier wurde schließlich noch verstärkt, als Vita ihren Vater beim Lesen eines neuen Manuskripts erwischt, worüber dieser mehr als aufgebracht ist und sie daraufhin aus dem Zimmer wirft. Dieses Verhalten fand nicht nur sie absolut merkwürdig… Allerdings blieb das nicht die einzige Sache, bei der ich mir sicher war, dass noch mehr dahinter steckt. Obwohl der Tod von Vitas älterer Schwester schon eine Weile zurückliegt, hängt er immer noch wie ein Schatten über der Familie und trübt das Zusammensein. Vor allem Vitas Mutter scheint nicht mit diesem Verlust klarzukommen. Sie ist total in sich zurückgezogen und kommt seltsam emotionslos herüber. Ich konnte es Vita daher nicht verübeln, dass sie unheimlich erleichtert war, als sie endlich der beklemmenden Atmosphäre ihres Elternhauses entkommen konnte.

Es beginnt ein spannender und mitreißender Roadtrip, der für mich fast das eigentliche Highlight im ganzen Buch war. Isabel Abedi hat es mit ihrem bildhaften, detailreichen und teilweise auch sehr malerischen Schreibstil geschafft das mediterrane Flair und das italienische Lebensgefühl perfekt einzufangen. Ich konnte die italienischen Landschaften vor meinem inneren Auge sehen, Hitze der Sonne auf meiner Haut spüren und den Duft der Mirabellenbäume förmlich riechen. Man möchte sich diesen Eindrücken gar nicht mehr entziehen. Kein Wunder, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin.

Was Vita zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Diese Reise wird sie tief in die Vergangenheit führen. Einer düstere Vergangenheit, der man nur langsam und in kleinen Schritten auf die Spur kommt, da man erst einmal eine riesengroße Mauer des Schweigens überwinden muss. Dank Vitas immer wieder auftretenden Erinnerungsfetzen, einigen überraschenden Enthüllungen sowie den kurzen und äußerst geheimnisvollen Kapitel, die aus der Sicht eines unbekannten Fremden erzählt werden (Geschichte hatte dadurch ein wenig etwas von einem Thriller), wurde die Spannung konstant hochgehalten.

Trotz der doch recht bedrückenden Stimmung zu Hause, ist Vita ein offenes, fröhliches und lebenslustiges Mädchen. Ich mochte sie wirklich gerne. Einziger Wehmutstropfen war, dass zwischen ihr und mir bis zum Schluss eine gewisse Distanz geblieben ist. Das lag vermutlich daran, dass Vitas Unwissenheit und die dunklen Geheimnisse in ihrer Familie im Fokus standen, sodass das weitere Kennenlernen von Vita eher in den Hintergrund gerückt ist. Die Nebencharaktere sind ebenfalls zum großen Teil blass und gesichtslos geblieben. Vitas beste Freunde Trixie und Danilo mochte ich aber trotzdem recht gerne. Auch Luca hat mir gut gefallen. Die Beziehung, die sich zwischen Vita und ihm entwickelt, habe ich mit einem Lächeln auf den Lippen verfolgt. Bereits bei ihrem ersten Aufeinandertreffen habe ich gespürt, dass eine besondere Verbindung zwischen ihnen besteht. Was mir nicht so gut gefallen hat, war, dass Vita ein wenig zu schnell das Wort Liebe in den Mund genommen hat.

Die Auflösung zu Ende fand ich wirklich überraschend, da ich von selber nicht darauf gekommen wäre. Ich war allerdings nicht vollkommen damit zufrieden. Nach dem ganzen Theater, das von Vitas Eltern und Lucas Familie veranstaltet wurde, habe ich mit weiß Gott was gerechnet. Letztendlich war es mir fast schon zu banal.  

 
„Die längste Nacht“ von Isabel Abedi hat mich bereits auf den ersten Seiten vollkommen für sich vereinnahmt. Vitas rätselhaft formulierter Ausblick auf die kommenden Ereignisse, konnte sofort meine Neugier wecken. Spannend und geheimnisvoll ging es dann auch weiter, sodass es schließlich ganz und gar unmöglich war, dass Buch aus der Hand zu legen. Ich wollte wissen was damals in Viagello geschehen ist und wie alles miteinander zusammenhängt. Dies erforderte jedoch jede Menge Zeit und Geduld, da nur langsam Licht ins Dunkle gebracht werden konnte. Die Auflösung konnte mich letztendlich überraschen, war für mich allerdings nicht vollkommen zufriedenstellend. 
 


 
Isabel Abedi, 1967 geboren, arbeitete 13 Jahre lang als Werbetexterin. Abends, am eigenen Schreibtisch, schrieb sie Kinder- und Bilderbuchgeschichten und träumte davon, eines Tages davon leben zu können. Dieser Traum hat sich längst erfüllt: Isabel Abedi hat inzwischen zahlreiche sehr erfolgreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, von denen manche bereits ausgezeichnet und in andere Sprachen übersetzt wurden. „Die längste Nacht“ ist Isabel Abedis fünfter Jugendroman. [Quelle: Verlagshomepage Arena Verlag]
 


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- Sarina