Montag, 10. August 2015

(Leseeindruck) "Die Welt ist kein Ozean" von Alexa Hennig von Lange

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Ausgerechnet in einer psychiatrischen Klinik für Jugendliche will die 16-jährige Franzi ihr Schulpraktikum machen. Sie stellt sich das abenteuerlich und besonders vor – muss aber schnell erkennen, dass sie eine Welt betritt, in der die Normalität außer Kraft gesetzt ist. Hier trifft sie auf den 18-jährigen Tucker – und Tucker trifft sie voll ins Herz. Nach einem traumatischen Erlebnis spricht er nicht mehr. Tief in sich zurückgezogen, dreht er im Schwimmbad seine Runden, am liebsten unter Wasser, wo ihn keiner erreichen kann. Behutsam versucht Franzi, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Als ihr das gelingt, steht sie vor einer schweren Entscheidung: Soll sie wie geplant für eine Zeit ins Ausland gehen? Oder dem Herzen folgen, das gerade erst wieder zu sprechen begonnen hat?
 
Obwohl mir „Die Welt ist kein Ozean“ an sich gut gefallen hat, konnte ich zum Schluss nicht verhindern, dass ich etwas enttäuscht aus der Geschichte herausgegangen bin, da meine Erwartungen, die ich mir aufgrund des Klappentextes gemacht hatte, nicht so ganz erfüllt wurden. Ich hatte erwartet und mir auch gewünscht, dass das Buch tiefer in die Thematik eintaucht, d.h. der Fokus mehr auf dem Alltag in der psychiatrischen Klinik und den psychischen Problemen der Jugendlichen liegt, doch leider hat sich früh herauskristallisiert, dass der Liebesgeschichte zwischen Tucker und Franzi eine größere Rolle zugespielt wird.

Franzi ist ein nettes und fröhliches Mädchen, das sehr behütet aufgewachsen ist, sich aber nun Stück für Stück von ihren Eltern abnabelt und versucht auf eigenen Beinen zu stehen. Ein erster Schritt hierfür ist ihr Praktikum in einer psychiatrischen Klinik, da sie dort einen Einblick in das Leben außerhalb ihrer heilen Welt bekommt und mit „echten“ Problemen konfrontiert wird. Mir hat es wirklich gut gefallen, dass sie ohne Vorurteile an die ganze Sache herangegangen ist und so auch den psychisch kranken Jugendlichen begegnet ist. (Bei ihrer besten Freundin Nelli hätte das sicher ganz anders ausgesehen) Nichtsdestotrotz zweifelt sie im Laufe des Buches mehrmals, ob dieses Praktikum wirklich eine gute Idee war oder ob sie sich nicht vielleicht etwas überschätzt hat. Dieses Zweifeln konnte ich absolut nachvollziehen. Mir wäre es wahrscheinlich nicht anders gegangen, immerhin hat man ja nicht jeden Tag mit psychisch Kranken zu tun, sodass man automatisch erst einmal unsicher im Umgang mit ihnen ist.

Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass sich die Gefühle zwischen Tucker und Franzi im Laufe der Zeit entwickeln, sie sich langsam annähern und Vertrauen zueinander aufbauen. In diesem Hinblick hat mir die Autorin leider einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht. Stattdessen musste es unbedingt die Liebe auf den ersten Blick sein, was mir nicht so gut gefallen hat, da mir das zu unrealistisch ist. Franzi sieht Tucker zum ersten Mal und ist sofort hin und weg von ihm bzw. seinem Aussehen. Dass sie kaum etwas von ihm weiß, stört sie nicht, denn sie spürt auch so, dass eine besondere Verbindung zwischen ihnen herrscht.

Der weitere Handlungsverlauf gestaltet sich ebenfalls etwas realitätsfern. Tucker, der nun seit über einem Jahr Patient in der Klinik ist und bisher nie jemanden an sich herangelassen hat, wagt sich plötzlich aus seinem Schneckenhaus und beginnt (fast selbstverständlich) immer wieder Franzis Nähe zu suchen. Wie bereits erwähnt, hätte ich mir gewünscht, dass die Entwicklung langsam und schrittweise von statten geht, denn eine psychische Erkrankung wird nicht einmal von heute auf morgen überwunden. Nichtdestotrotz hat mich Tuckers Geschichte sehr berührt und mitgenommen.

Nelli, Franzis beste Freundin, war mir zu Anfang noch ziemlich unsympathisch und ist mir mit ihren pessimistischen Ansichten ganz schön auf die Nerven gegangen. Als ich sie jedoch besser kennenlernen durfte, konnte ich um einiges besser verstehen, warum sie sich so verhält. Seit ihr Vater sie und ihre Mutter für eine jüngere Frau verlassen hat, ist Nelli darauf bedacht nicht noch einmal in der Art und Weise verletzt zu werden. Im Laufe des Buches erkennt sie jedoch, dass es nichts bringt, wenn man seine Augen vor Problemen verschließt, da im Leben nie alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und bleibt.

Der Schreibstil von Frau von Lange ist leicht und flüssig zu lesen und sehr jugendlich gehalten, wodurch die Seiten wie nichts dahinfliegen. Ihre Grundidee hat mir wirklich gut gefallen. Frau von Lange wollte einmal mit den Klischees bzw. den Vorurteilen, die man gegenüber psychiatrischen Einrichtungen hat, aufräumen und aufzeigen, dass die Patienten dort keine Verrückte sind, sondern Menschen wie du und ich, jedoch mit den Unterschied, dass sie in ihrem Leben mit einem sehr schlimmen Erlebnis konfrontiert wurden, mit dem sie alleine nicht mehr fertig werden. Dass sie professionelle Hilfe benötigen, ist kein Grund um auf diese Leute herunterzuschauen, sich über sie lustig zu machen oder ihre Krankheit/ihre Ängste nicht ernst zu nehmen bzw. herunterzuspielen. Schließlich könnte jeder von uns einmal in diese Situation kommen. Ihren Lesern das zu vermitteln ist der Autorin sehr wichtig. Man liest es aus den Sätzen, aber auch zwischen den Zeilen heraus.  

 
„Die Welt ist kein Ozean“ von Alexa Hennig von Lange ist alles in allem ein gutes Jugendbuch, das sich mit einem ernsten Thema auseinandersetzt, in meinen Augen jedoch noch tiefer in die Materie hätte eintauchen können. Stattdessen lag der Fokus sehr stark auf der Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten Franzi und Tucker, die für meinen Geschmack leider etwas zu schnell ging. Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich langsam annähern und Tucker erst einmal Zeit braucht um Vertrauen zu Franzi aufzubauen. Stattdessen ist bereits kurz nach ihrer ersten Begegnung eine Veränderung bei ihm zu sehen. Was ich der Autorin jedoch zugutehalte ist, dass sie sehr feinfühlig und einfühlsam erzählt, sodass mich die Geschichte – trotz meiner falschen Erwartungen- nicht kalt gelassen hat.   
 

Alexa Hennig von Lange wurde 1973 geboren und begann bereits mit acht Jahren zu schreiben. 1997 erschien ihr Debütroman Relax, mit dem sie über Nacht zu einer der erfolgreichsten Autorinnen und zur Stimme ihrer Generation wurde. 2002 bekam sie den Deutschen Jugendliteraturpreis. Es folgten zahlreiche Romane für Erwachsene wie Jugendliche und Kinder, außerdem Erzählungen und Theaterstücke. Alexa Hennig von Lange lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Berlin. [Quelle: Verlagshomepage cbt Verlag]

 





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- Sarina