Donnerstag, 28. Mai 2015

(Leseeindruck) "Jakobs Mantel" von Eva Weaver

http://www.amazon.de/Jakobs-Mantel-Roman-Eva-Weaver/dp/3426304422/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1431952409&sr=8-1&keywords=Jakobs+Mantel 
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Warschau 1939. Mika liebt seinen Großvater Jakob sehr. Gemeinsam lebt die Familie im Ghetto. Als Jakob stirbt, erbt Mika dessen geheimnisvollen Mantel und entdeckt darin eine Puppe. Jakob hatte sie gebastelt, ebenso wie das Krokodil, den König, den Narren. Mitten in einem Alltag bestimmt von Angst, Hunger und Tod, erfindet Mika neue Puppen. Der Prinz wird sein Liebling, und bald ist Mika im ganzen Ghetto für seine Puppenspiele bekannt. Trotz aller Gefahren spielt Mika immer wieder – bis ihn der deutsche Soldat Max erwischt. Der Prinz rettet ihn, doch dafür muss Mika von da an für die Deutschen spielen. 

 
Zuerst konnte ich es gar nicht glauben, dass es sich bei diesem Buch um ein Debüt handelt. Denn die Geschichte ist unfassbar gut geschrieben und bereits nach wenigen Sätzen wird deutlich wie gut die Autorin mit Worten umgehen kann. Eva Weaver erzählt so lebendig, mitreißend und fesselnd, dass es einem mehr als schwer fällt das Buch aus der Hand zu legen. Hinzu kommt, dass man die Gedanken und Gefühle des Protagonisten Mika von Anfang hautnah erlebt und im Verlauf der Geschichte richtig mit ihm mitfühlt, mitfiebert, mithofft und mitleidet.

Mika, der zu einer Zeit aufwächst in der Polen noch nicht unter der Besatzung der Deutschen stand, führt ein schönes und vor allem freies Leben mit seiner Mutter und seinem Großvater Jakob, der nicht nur eine Art Vater Ersatz für ihn ist, sondern gleichzeitig auch sein bester Freund darstellt. Im Jahr 1939 ändert sich sein Leben jedoch schlagartig. Immer neue Einschränkungen beschneiden seinen und den Alltag aller Juden in Warschau. Er wird Zeuge von Anfeindungen und tagtäglich mit einem derartigen Hass konfrontiert, sodass er sich in seinem eigenen Land nicht mehr willkommen fühlt. Schließlich folgt der Zwangsumzug in ein Ghetto, wo Mika neben Angst auch Hunger, Not und Kälte erleidet.

Ich kann euch gar nicht sagen, wie nah mir die Beschreibungen aus dem Warschauer Ghetto gegangen sind. Obwohl mir das rücksichtslose Vorgehen und die unmenschlichen Verbrechen der Nationalsozialisten bereits mehr als bekannt sind, da ich mich in der Vergangenheit mehrmals damit beschäftigt habe, macht es mich immer noch wütend, wenn ich etwas darüber lese. Ich bin fassungslos über solch ein hasserfülltes Handeln und mir steigen die Tränen in die Augen. Weder Mika noch all die anderen Bewohner des Ghettos haben so eine Behandlung verdient, daher war es so schön zu sehen, dass sie wenigstens durch Mikas Puppenspiel einen kleinen Moment der Hoffnung geschenkt bekommen. Ein kleiner Moment, der sie die Ungerechtigkeit, die ihnen zuteilwird, vergessen lässt.

Mit der Zeit rückt neben Mikas Lebensgeschichte auch die von Max, einem deutschen Soldaten, in den Vordergrund. Mika und Max begegnen sich eines Tages ganz zufällig und dabei wird Max auf Mikas Puppenspiel aufmerksam. Schließlich verlangt er von dem Jungen, dass er einmal in der Woche für die Deutschen spielt…

Die Auseinandersetzung zwischen Täter und Opfer fand ich unglaublich interessant, da die Autorin aufzeigt, wie diese beiden Seiten miteinander verbunden sind. Denn so unterschiedlich ihre Situation auch ist, fällt es sowohl Mika als auch Max schwer die Erlebnisse ihrer Vergangenheit zu verarbeiten. Jahrelang haben sie geschwiegen und sind von dem Ballast, den sie bis heute mit sich herumtragen, schier erdrückt worden.

Ich muss sagen, dass die Hintergründe von Eva Weaver wirklich sehr gut recherchiert wurden. Fiktion und die geschichtlichen Ereignisse/ Fakten verschmelzen regelrecht miteinander, was die Authentizität des Romans verstärkt, wobei diese allein schon durch die liebevoll gezeichneten Charaktere gegeben ist.  

 
„Jakobs Mantel“ von Eva Weaver erzählt die berührende Geschichte eines jüdischen Jungen, der den Menschen im Warschauer Ghetto mit seinem Puppenspiel immer wieder kleine Momente der Hoffnung schenkt. Sie hat mich vollkommen mitgerissen und von Anfang bis zum Ende an die Seiten gefesselt. Die Charaktere sind unglaublich authentisch und liebenswert gezeichnet; außerdem kann man ihre Gedanken und Gefühle zu jeder Zeit nachempfinden.

Eins der besten Bücher, das ich bis jetzt über den Nationalsozialismus und den Holocaust gelesen habe.  
 

 
Eva Weaver, in Deutschland geboren, lebt seit vielen Jahren in England. Sie arbeitet als Trauma- und Kunsttherapeutin und hat sich als Performance-Künstlerin einen Namen gemacht. "Jakobs Mantel" ist ihr erster Roman. [Quelle: Verlagshomepage Droemer Knaur]



 

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- Sarina