Mittwoch, 8. April 2015

(Leseeindruck) "Sommer unter schwarzen Flügeln" von Peer Martin

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Nuri kommt aus Syrien und lebt im Asylbewerberheim. Calvin wohnt nur wenige Häuser weiter und ist Mitglied einer rechten Jugendgang. Als sie sich kennenlernen, erzählt Nuri ihm von ihrem Heimatdorf am Rand der Wüste und von dessen Schönheit. Doch dann kamen die Schwingen des Bösen und legten sich über das ganze Land. Je mehr Calvin über das Mädchen mit den dunklen Augen erfährt, desto mehr verliebt er sich in sie. Calvin möchte seine Gang verlassen – doch so einfach entkommt er seinen alten Freunden nicht. 

 
Puh ich weiß gar nicht wie ich meine Meinung zu „Sommer unter schwarzen Flügeln“ in Worte fassen soll, da die Geschichte so viele verschiedene Eindrücke bei mir hinterlassen hat. Es ist ein sehr eindringliches, teilweise erschreckendes und wirklich nachdenklich stimmendes Buch, das man nicht einmal so kurz für Zwischendurch liest. Im Gegenteil! Es verlangt dem Leser seine volle Aufmerksamkeit ab, was ich vor allem daran gemerkt habe, dass mir das Gelesene immer noch eine Weile im Kopf herum gespukt ist, nachdem ich das Buch für einen Moment zur Seite gelegt habe.

Peer Martin setzt sich in „Sommer unter schwarzen Flügeln“ mit zwei brandaktuellen Themen auseinander, die in den letzten Wochen und Monaten ausführlich in den Nachrichten und Printmedien diskutiert wurden und auch mich sehr beschäftigt haben. Die neue Aufnahme von Asylbewerbern hat heftige Proteste ausgelöst und somit deutlich gemacht, dass Fremdenhass leider auch in Deutschland traurige Realität ist, was ich um ehrlich zu sein schrecklich finde, da es zeigt, wie wenig aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt wurde. Für mich ist es nämlich vollkommen egal welche Hautfarbe, Religion oder Herkunft ein Mensch hat. Woher kommt bitteschön dieser Hass gegenüber Ausländern bzw. Asylanten. Ich meine diese Menschen musste ihre Heimat verlassen, weil es dort nicht mehr sicher für sie war und sie kein richtiges Leben mehr führen konnten. Sie kommen mit so gut wie nichts in Deutschland an, erleichtert hier Unterschlupf gefunden zu haben und werden von uns mit Ablehnung, Hass, Neid und Gewalt empfangen. Dass sich an diesem Denken etwas grundlegend ändern muss, ist mir durch „Sommer unter schwarzen Flügeln“ noch einmal ganz deutlich vor Augen geführt worden.

Nuri, die seit ihrer Flucht aus Syrien mit ihrer Familie in einem Asylbewerberheim lebt, hat nicht nur Calvin sondern auch mir einen tiefen und schonungslosen Einblick in ihr früheres Leben, ihre Heimat Syrien, den schleichenden Vorgang der Revolution sowie das herrschende Kriegsgeschehen gegeben, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde. Denn der Autor hat mit seinem intensiven und äußerst bildhaften Schreibstil dafür gesorgt, dass Nuris Erzählungen für mich lebendig geworden sind. Ich war regelrecht an die Seiten gefesselt und konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Es hat mich fassungslos gemacht, was sie in ihrem jungen Leben schon alles durchmachen bzw. miterleben musste. Angst und Gewalt haben ihren Alltag beherrscht und sie nachhaltig geprägt. Je mehr ich erfahren habe umso weiter hat sich dieses beklemmende Gefühl in mir ausgebreitet. Gleichzeitig konnte ich Nuri, für das was sie durchgestanden hat, nur bewundern.

Zu Anfang hat Calvin auf mich sehr aggressiv und gewalttätig gewirkt. Seine Wut auf Ausländer, die, laut ihm und seinen Freunden, uns unsere wenigen freien Arbeitsplätze auch noch wegnehmen, war fast zum Greifen spürbar. Calvin stammt aus einer sozialschwachen Familie und hat die Nachteile dieses Lebens von klein auf zu spüren bekommen. Da seine Zukunft ebenfalls nicht gerade rosig aussieht, ist der Frust natürlich groß. Tja und es ist immer leicht seinen Frust an anderen Menschen auszulassen bzw. ihnen die Schuld für die eigene missliche Situation zu geben.

Als Nuri und Calvin aufeinander treffen, prallen zwei vollkommen verschiedene Welten aufeinander. Dennoch fühlen sie sich auf anhieb in der Gegenwart des anderen wohl und haben das Gefühl zu verstehen was der andere fühlt bzw. denkt. Mit der Zeit entwickelt sich daraus mehr und die beiden verlieben sich ineinander, wovon aber weder Nuris Familie noch Calvins Clique etwas erfahren darf. Und so beginnt ein Spiel mit dem Feuer, bei dem das Risiko sich zu verbrennen sehr groß ist. Gleichzeitig helfen Nuris Erzählungen, dass sich Calvin schrittweise verändert. Zuerst befindet er sich in einem inneren Zwiespalt, weiß nicht was er tun oder denken soll, da sein Weltbild komplett durcheinandergebracht wird. Dann beginnt er jedoch sein Verhalten/ seine Vorurteile zu überdenken und sich für seine Taten zu schämen. Diese Wandlung hat ihn mir um einiges sympathischer gemacht. 

 
Mit „Sommer unter schwarzen Flügeln“ erzählt Peer Martin eine sehr intensive und eindringliche Geschichte, die einen nach Beenden vollkommen sprachlos zurücklässt. Während dem Lesen wird man fast ununterbrochen zum Nachdenken angeregt und es werden einem Missstände, die es in unserer leider Gesellschaft gibt, schmerzhaft vor Augen geführt. Teilweise war ich mehr als erschrocken über das Verhalten manches Charakters, da ich nicht glauben konnte, er oder sie so viel Hass in sich trägt. Calvin und Nuris Liebe steht von Anfang an unter keinem guten Stern, was einen jedoch nicht davon abhält mit ihnen mitzufiebern und mitzuhoffen. 
 

 
Peer Anders Martin wurde 1968 in Hannover geboren. Nach einem Studium der Sozialpädagogik arbeitete er mehrere Jahre mit Jugendlichen in Berlin, Brandenburg und Vorpommern, zuletzt auf der Insel Rügen. Diese Erfahrungen und die Gespräche mit einem syrischen Freund brachten ihn schließlich dazu, seinen ersten Roman niederzuschreiben, der auf vielen langen Spaziergängen an den Stränden der Ostseeküste entstand, wo er die Geschichte zuerst der geduldigen Hündin Lola erzählte. Inzwischen lebt er mit seiner Frau, drei Kindern und Lola in Quebec.  [Quelle: Verlagshomepage Oetinger Verlag]

 


1 Kommentar:

  1. Gott, dieses Buch macht mich so neugierig! Wenn es nur nicht so teuer wäre :'(

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Hallo :)

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- Sarina