Mittwoch, 15. April 2015

(Leseeindruck) "Jenseits der blauen Grenze" von Dorit Linke

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Die DDR im August 1989: Hanna und Andreas sind ins Visier der Staatsmacht geraten und müssen ihre Zukunftspläne von Studium und Wunschberuf aufgeben. Stattdessen sehen sie sich Willkür, Misstrauen und Repressalien ausgesetzt. Ihre einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben liegt in der Flucht über die Ostsee. Fünfzig Kilometer Wasser trennen sie von der Freiheit – und nur ein dünnes, verbindendes Seil um ihr Handgelenk rettet sie vor der absoluten Einsamkeit …

 
Als Kind der 1990er/2000er beruht mein Wissen über die DDR einzig und allein auf Erzählungen entweder von meinen Eltern/Großeltern, die Verwandte hatten, die dort gelebt haben oder von meinen Lehrern, die versucht haben unser Interesse für diese Zeit zu wecken. Bei mir ist ihnen das auf jeden Fall gelungen…Spätestens nach dem ich „Weggesperrt“ von Grit Poppe, ein wirklich wunderbares Buch, das mir sehr nahe gegangen ist, gelesen hatte. Danach wollte ich unbedingt noch mehr erfahren. „Jenseits der blauen Grenze“ ist ein ebenfalls ein sehr eindrucksvoller Roman, in dem mir Dorit Linke vor Augen geführt hat, wie schwierig das Leben in diesem Staat sein konnte, wenn man sich nicht dem System anpassen wollte.

Bereits auf den ersten Seiten ist die Spannung absolut präsent. Der Leser taucht nämlich in dem Moment in die Geschichte ein, als die beiden Protagonisten kurz davor sind ihre Flucht in die Tat umzusetzen. Sie verstecken sich hinter einem Busch, beobachten den Strand und warten auf den richtigen Zeitpunkt um sich in die Fluten zu stürzen. Dabei habe ich sofort gemerkt, dass ihre Flucht über die Ostsee keine spontane Aktion ist, sondern bis ins kleinste Detail durchgeplant wurde. Doch trotz dieser sorgfältigen Planung sind Andreas und Hanna unglaublich nervös und haben Angst, dass sie es gar nicht erst bis zum Wasser schaffen. Diese Sorge erweist sich allerdings als unbegründet und ehe man sich versieht, sind beide schon auf dem Weg in den Westen und in die Freiheit.

Ab diesem Punkt war ich vollkommen an die Seiten gefesselt und es ist mir richtig schwergefallen, dass Buch wieder aus der Hand zu legen. Wie man sich vielleicht vorstellen kann ist Hanna und Andreas Vorhaben kein leichtes. In den Stunden, in denen sie unterwegs sind, werden sie einerseits von ihrer Hoffnung, dass sich im Westen alles für sie ändern wird und sie von Seiten des Staates nicht mehr befürchten müssen, dass er ihnen Steine in den Weg legt, angetrieben. Andererseits werden sie von Angst, tiefer Verzweiflung und Erschöpfung begleitet. Zwar haben sie viel trainiert, doch das Schwimmen im Schwimmbad, ist nicht zu vergleichen mit dem Schwimmen auf offener See. Dieses stundenlange in Bewegung sein, raubt dem Körper Kraft und Energie, sodass es ihnen stellenweise leichter erscheint einfach aufzugeben. Ihre Gefühle konnte ich zu jeder Zeit nachvollziehen und nachempfinden, sodass meine eigene Stimmung ebenfalls zwischen Hoffnung und Resignation geschwankt ist. Gleichzeitig konnte ich sie nur bewundern, da es sehr viel Mut braucht um diesen Schritt zu wagen.

Irgendwie hat es mich aber auch traurig, dass zwei junge Menschen keinen anderen Ausweg mehr sehen, als ihre Heimat zu verlassen und so eine riskante Art der Flucht wählen. Was genau sie dazu gebracht hat, erfahren wir in kurzen Rückblenden, die in die Handlung eingeflochten sind. Diese Rückblenden haben mich in eine mir fremde Zeit zurückversetzt, die jedoch dank der detailreichen Gestaltung der Umstände bzw. Umgebung wirklich authentisch wirkte. Ich habe Hanna, Andreas und ihren Freund Jens besser kennengelernt und gezeigt bekommen, dass die drei gerne einmal Witze über den Staat reißen und gegen das System rebellieren, was von ihren Lehrern und dem einen oder anderen Bürger alles andere als gern gesehen wird. Denn nur wer sich für den Staat engagiert, seine vorgegebenen Ideale erfüllt und zu 100% hinter dem Kampf gegen den Klassenfeind steht, kann es in der DDR zu etwas bringen. Alle anderen müssen mit Konsequenzen und Stolpersteinen rechnen. Letzteres ist genau der Grund, warum sich Hanna und Andreas letztendlich zur Flucht in den Westen entschieden haben.

Diesen Einblick fand ich unglaublich interessant, wenn es auch sehr tragisch ist, wie schwer den Menschen das Leben gemacht wurde. Natürlich war damals nicht alles schlecht, aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass damals vielen Unrecht getan wurde, sodass diese wie Hanna und Andreas keine anderen Ausweg sahen, als zu fliehen. Diese Versuche waren mal mit mehr mal mit weniger Erfolg gekrönt. Aus diesem Grund habe ich bis zum Schluss mit Hanna und Andreas mitgefiebert, mitgebangt und gehofft, dass sie es trotz all der Erschöpfung und den Schmerzen schaffen und nicht kurz vor dem Ziel scheitern werden.  

 
„Jenseits der blauen Grenze“ von Dorit Linke ist eine absolut fesselnde und mitreißende Geschichte, die man - je weiter man zum Ende kommt – immerzu weiterlesen möchte. Das Buch überzeugt aber nicht nur in Sachen Spannung, sondern auch mit seinen Emotionen, die der Leser hautnah miterlebt und – fühlt. Wie die beiden Protagonisten Hanna und Andreas, schwankt man fast ununterbrochen zwischen Hoffnung und Resignation. Darüber hinaus bekommt man dank der Rückblenden einen guten Einblick in das alltägliche Leben der DDR und wird mit der Strenge des Regimes vertraut gemacht. 
 

(Kurze Erklärung warum "nur" 4 Sterne: Obwohl ich mit den Protagonisten mitgefiebert habe, sind sie mir als Personen irgendwie fremd geblieben. Ich konnte zu ihnen keine richtige Beziehung aufbauen. Und auch das Ende war mir etwas zu abrupt.) 


Dorit Linke, geboren 1971 in Rostock, wuchs in der DDR auf. Sie machte Abitur, war Leistungssportlerin und Rettungsschwimmerin. Den politischen Wandel Ende der Achtziger erlebte sie bewusst mit, nahm an den Montagsdemonstrationen teil und war achtzehn Jahre alt, als die Mauer fiel. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Jenseits der blauen Grenze ist ihr erster Roman. [Quelle: Verlagshomepage Magellan Verlag]


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- Sarina