Mittwoch, 20. August 2014

(Leseeindruck) "Djihad Paradise" von Anna Kuschnarowa

http://www.amazon.de/Djihad-Paradise-Roman-Anna-Kuschnarowa/dp/3407811551/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1408290880&sr=8-1&keywords=Djihad+Paradise 
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Berlin Alexanderplatz: Julian Engelmann alias Abdel Jabbar Shahid betritt eine Shoppingmall. Er trägt einen Sprengstoffgürtel und ist bereit, sich und all die dreckigen Kuffar (die Ungläubigen) auszulöschen. Da ruft jemand seinen Namen. Julian kennt die Stimme. Er hält inne und erinnert sich. An seine große Liebe Romea, die Zeit vor dem Terrorcamp und warum sich Romea irgendwann von ihm abwandte. Doch Julian ist sich seiner göttlichen Mission sicher. Oder nicht? Für Zweifel ist es längst zu spät...

 
Anna Kuschnarowa spricht wirklich ein sehr heikles Thema an: Und zwar religiöser Fanatismus. In den Medien ist schon öfters darüber berichtet worden, wobei ich mich jedes Mal gefragt habe, was diese Menschen zum Teil in meinem Alter dazu bewegt, sich zu Gotteskriegern ausbilden zu lassen und letztendlich als Selbstmordattentäter zu sterben. Schließlich haben sie noch ihr ganzes Leben vor sich, also warum machen sie das? Natürlich kann mir das Buch darauf keine Antworten geben, doch ich konnte zumindest ansatzweise verstehen, wie Jugendliche überhaupt in die Fänge von radikalen religiösen Gruppen gelangen.

Auf den ersten Blick passen unsere zwei Protagonisten eigentlich überhaupt nicht zusammen. In Julian Engelmanns Leben ist bisher noch nie etwas rund gelaufen. Seit seine Mutter jedoch ihre Koffer gepackt und die Familie verlassen hat, geht es endgültig Berg ab. Sein Vater betrinkt sich lieber anstatt sich um eine neue Arbeit zu bemühen und Julian fliegt von einer Schule nach der anderen. Außerdem dealt er mit Drogen damit sie weiterhin in ihrer Wohnung bleiben können. Romea dagegen stammt aus einem wohlhabenden Elternhaus, ist allerdings auch alles andere als zufrieden mit ihrem Leben. Ihre Eltern arbeiten sehr viel und haben kaum Zeit für sie und ihre Schwester. Dafür erwarten sie von ihren Töchtern aber, dass sie gewisse Ansprüche erfüllen.

Trotzdem finden die beiden zueinander und verlieben sich. Ihr Glück ist allerdings nur von kurzer Dauer, da Julian wieder auf die schiefe Bahn gerät und ins Gefängnis einsitzen muss. Die ersten paar Wochen sind die reinste Hölle für Julian, da er Romea schrecklich vermisst. Außerdem weiß er nicht was er mit sich anfangen soll…Bis zum dem Tag als Julian zum ersten Mal mit seinem Zellengenossen Murat betet.

„Wenn wir beteten war ich irgendwie gar nicht mehr so richtig da. Doch, schon. Irgendwie war ich einerseits mehr da als sonst, aber gleichzeitig schwieg das unzufrieden ängstliche Hintergrundrauschen Julian Engelmanns. Und das war verdammt angenehm. Und auf einmal wollte ich mehr wissen, viel mehr. Über diesen Propheten und diese Religion…“ 
 
Der Islam gibt Julian den Halt, den er von seinen Eltern und der Gesellschaft zuvor nicht erfahren hat. Darüber hinaus hat er endlich das Gefühl zu etwas dazuzugehören und nicht wie sonst der Außenseiter zu sein. Romea kann Julians Begeisterung für diese Religion jedoch nicht nachvollziehen.

„Ich konnte Julian immer weniger verstehen. Und ohne diesen Murat jemals kennengelernt zu haben, begann ich, ihn zu hassen, denn Julian sprach so liebevoll von dieser Religion, die er von diesem Murat hatte, wie andere über ihre Freundin sprechen. Es war, als würde sich Stück für Stück für Stück etwas Großens, Trennendes zwischen uns schieben, uns auseinanderreißen…“

Da sie Julian aber nicht verlieren möchte, beschäftigt auch sie sich irgendwann näher mit dem Islam. Tja und von da an kann man als Leser beobachten wie die zwei immer tiefer in die Hände dieser radikal religiösen Gruppe gerate, zu der Murat gehört. Ihr ganzes Leben verändert sich vollkommen, was von der Autorin sehr authentisch geschildert wird.

Der Hauptgrund für ihr Verhalten sind die Probleme, die beide mit sich herumschleppen. Ich hätte Julian und Romea wirklich gerne geholfen und aus diesem Sog befreit. Doch da es mir nicht möglich war, musste ich hilflos zusehen, wie sie manipuliert und einer regelrechten Gehirnwäsche unterzogen werden. Ich konnte nur noch mit dem Kopf schütteln und mich über so viel Naivität aufregen. Das Ende hat mich endgültig wachgerüttelt und mir eine ganze Weile im Gedächtnis geblieben, sodass ich über das ganze Buch und die Ereignisse nachgedacht habe.

 
Djihad Paradise von Anna Kuschnarowa behandelt ein sehr aktuelles Thema, wodurch einen die Geschichte noch einmal um einiges mehr mitnimmt als so manch anderes Buch. Erschreckend realistisch zeigt die Autorin auf, wie schnell zwei Jugendliche in die Hände von radikalen religiösen Gruppen fallen können und regelrecht in einem Netz aus Manipulation und Gehirnwäsche gefangen sind, aus dem sie alleine nicht mehr herauskommen. Das Ende lässt einen im ersten Moment vollkommen sprachlos zurück, regt einen aber schließlich dazu an über das Gelesene nachzudenken.  



Anna Kuschnarowa studierte Ägyptologie, Germanistik und Prähistorische Archäologie in Leipzig, Halle/Saale und Bremen und unterrichtete zehn Jahre an mehreren deutschen Hochschulen. Ihr wissenschaftliches Interesse gilt gender-Themen. Sie arbeitet als freie Autorin und Fotografin und gründete 2011 die Seschat Fernschule für Ägyptologie. In ihrer Freizeit reist sie so weit weg wie möglich und so oft sie kann. [Quelle: Verlagshomepage Beltz & Gelbberg]


 



Kommentare:

  1. Von dem Buch habe ich bisher noch nichts gehört. Aber es ist wirklich ein heikles Thema. Es macht mich irgendwie neugierig wie man dazu kommt. Denn genauso wie du, kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen. Danke für deine tolle Rezension die mir einen Einblick in das Buch gegeben hat.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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  2. Hallöchen,

    ich habe deine Rezension verlinkt, hoffe das ist ok :)
    Rezension Djihad Paradise
    Habe übrigens seit heute ein Gewinnspiel auf dem Blog laufen bis 31. September. Vielleicht hast du ja Lust mit zu machen :D
    Gewinnspiel: Wolfgang muss weg!
    Fühl dich gedrückt!

    Nadine ♥

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- Sarina