Mittwoch, 5. März 2014

(Rezension) "Ich bin Tess" von Lottie Moggach

http://www.amazon.de/Ich-bin-Tess-Lottie-Moggach/dp/3839001587/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1393930642&sr=8-1&keywords=Ich+bin+Tess
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Würdest du dein Leben aufgeben, um das eines anderen zu übernehmen?
Leila hat Tess nie zuvor getroffen. Doch sie weiß mehr über sie als irgendjemand sonst.
Tess hat Leila nie zuvor getroffen. Doch wenn sie unbemerkt aus der Welt scheiden will,
muss sie Leila ihr Leben anvertrauen. Zu Beginn ist es leicht für Leila, sich online als Tess auszugeben. Niemand durchschaut ihr Spiel. Doch wie lange lässt sich eine solche Lüge aufrechterhalten? 


 
 
Das Cover ist mir mit seinen knalligen Farben sogleich ins Auge gestochen, doch erst der Klappentext hat meine Neugier geweckt. Eine Frau, die an einer Krankheit leidet, die nicht lebensgefährlich ist, sie jedoch in ihrer Lebensqualität soweit einschränkt, dass sie beschließt ihrem Leben ein Ende bereiten zu wollen. Da sie aber ihre Familie nicht verletzten möchte, macht sie sich auf die Suche nach einer Art „Nachfolgerin“, die ihr Leben übernimmt. Klingt total kurios und völlig an den Haaren herbeigezogen, allerdings auch sehr interessant.

Und so habe ich das Abenteuer gewagt und mich komplett ahnungslos in die Geschichte gestürzt. Ich wurde auch sogleich mitten ins Geschehen hineingeworfen, indem ich ein Gespräch, genau genommen das letzte, zwischen Tessa und Leila mit verfolgt habe. Dieses hat mir Appetit auf mehr gemacht und einen kleinen Ausblick gegeben, was im Verlauf noch alles auf mich zukommen wird. In den ersten Kapiteln lernen wir jedoch erst einmal Leila ein bisschen besser kennen, erfahren etwas über ihr Leben, ihre Familie und wenig später auch schon wie sie Tess kennengelernt hat und mit ihr Schritt für Schritt ihren Selbstmord plant.

Ab hier wird es dann richtig spannend: Leila eignet sich Stück für Stück Tess Leben an, denkt sich immer neue Geschichten und Erlebnisse für deren Freunde und Familie aus, um die Fassade aufrecht zu erhalten. Allerdings steigert sich mit der Zeit so sehr in ihre Aufgabe hinein, wodurch die Grenzen zwischen ihrem und Tess‘ Leben zunehmend verschwimmen. Dieser schleichende Prozess war wirklich erschreckend und hat mir echt ein wenig Angst gemacht. 

„Ich bin Tess“, sagte ich – schrie ich fast. Wie konnte es sein, dass er noch immer nicht begriff? „Verstehst du das denn nicht? Ich bin Tess.“ (S.297) 

Zum Ende nimmt die Geschichte fast eine thrillerähnliche Form an bzw. es passieren mehrere überraschende Wendungen, wodurch das komplette Geschehen weiter an Spannung gewinnt. Ich war wirklich gefesselt und habe die restlichen Seiten in einem Rutsch durchgelesen.  
 
Lottie Moggach hat einen schönen lockeren Schreibstil, der sich leicht lesen lässt. Sie erzählt auf eine etwas nüchterne Art und Weise, wodurch man als Leser stets auf Distanz gehalten wird. Manches wird auch ein wenig übertrieben und zugespitzt dargestellt, was ich nicht schlimm fand, da ich denke, dass es Frau Moggach genau darauf angelegt hat. Schließlich kommt sie auf einige brisante Themen wie (Beihilfe zum) Selbstmord, Selbstisolation, Gefahren des Internets etc. zu sprechen und wirft ständig unausgesprochene Fragen in den Raum, die den Leser automatisch zum nachdenken anregen sollen.  

 
Leila ist ein ganz seltsamer Mensch. Seit dem Tod ihrer Mutter, um die sie sich jahrelang gekümmert hat, zieht sie sich vollkommen von der Außenwelt zurück. Stattdessen spielt sich ihr Leben hauptsächlich in ihren eigenen 4 Wänden ab. Stundenlang sitzt sie vor dem Computer, spielt irgendwelche Spiele oder ist einem Forum namens „RedPill“ aktiv, wo sie mit anderen über die unterschiedlichsten Fragen diskutiert. Für mich wäre das sicherlich nichts, aber ihr scheint es sehr viel Spaß zu machen und auf gewisse Weise auch zufrieden zu stellen. Mir hat ihre Denkweise zu dem ein oder anderen Thema gut gefallen, aber sonst konnte ich mich nur wenig mit ihr identifizieren...Die Gründe ihres Handels wollte sich mir nicht ganz erschließen, ich meine wer von uns würde so einen Job in Betracht ziehen? Die Identität eines anderen annehmen, sich sein Leben aneignen und es weiterführen, damit sich derjenige umbringen kann? Total befremdlich, wie Leila da zustimmen konnte. Und dann noch so leichtfertig ohne an mögliche Konsequenzen zu denken. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln, aber ich habe auch an anderen Stellen gemerkt, dass Leila unglaublich naiv und realitätsfern ist.

Tess ist so ziemlich das krasse Gegenteil von Leila…Sie hat wirklich schon einiges er- und durchlebt, seien es wilde Partys, durchzechte Nächte oder exzessiver Drogenkonsum…Tess kann so ziemlich von allem ein Liedchen singen, allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille. Die andere zeigt uns eine sensible, verunsicherte und verzweifelte Frau, die mit sich selbst nicht zurecht kommt und unter schweren Depressionen leidet. Durch die Gespräche mit Leila verstärkt sich dieser Eindruck zunehmend.  

 
Mit "Ich bin Tess" hat es Lottie Moggach geschafft sich von der breiten Masse abzuheben und ihre Leser mit einigen brisanten Themen zu konfrontieren. Für mich war die Geschichte sehr interessant und spannend zu verfolgen, da ich nicht wusste, was mich als nächstes erwarten, geschweige denn wie alles zu Ende gehen wird. Aber ich hatte auch so einige Probleme während des Lesens, besonders mit der Protagonistin Leila. Sie ist wirklich ein seltsamer (teilweise auch weltfremder) Mensch, der sich vollkommen von anderen distanziert und sehr nüchtern bzw. kühl herüberkommt. Ich konnte mich leider nicht so richtig mit ihr identifizieren oder ihr handeln nachvollziehen. Insgesamt gibt es von mir daher nur eine eingeschränkte Leseempfehlung! 
 



 

Lottie Moggach ist freiberufliche Journalistin, liebt ihre Heimatstadt London und hat ein Faible für das 18. Jahrhundert. In ihrer Freizeit spaziert sie am liebsten mit ihrem Sohn durch die Straßen der britischen Hauptstadt und träumt davon, in einem der georgianischen Häuser zu wohnen. Die Idee zu ihrem ersten Roman Ich bin Tess kam ihr vor einigen Jahren, als sie viel zu viel Zeit mit Facebook verbrachte. [Quelle: Verlagshomepage script5]



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- Sarina