Montag, 3. März 2014

(Rezension) "Forbidden" von Tabitha Suzuma

http://www.amazon.de/Forbidden-Tabitha-Suzuma/dp/3789147443/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1393838861&sr=8-1&keywords=Forbidden 
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Die sechzehnjährige Maya und ihr ein Jahr älterer Bruder Lochan kümmern sich um ihre drei jüngeren Geschwister, während ihre Mutter sich dem Alkohol und ihrem Liebhaber zuwendet. Verzweifelt versuchen die beiden, ihre Familie zu erhalten und kommen sich dabei immer näher. Sie wissen, was der andere denkt und fühlt, geben sich Halt und sind sich gegenseitig Trost. Eines Tages wird mehr aus ihrer Beziehung. Maya und Lochan wissen, dass sie etwas Verbotenes tun, aber ihre Gefühle sind stärker und sie können nicht mehr ohne den anderen sein. Denn: Wie kann sich etwas Falsches so richtig anfühlen?

 
 
Was soll ich sagen, nach den ersten 50-60 Seiten hatte sich meine Befürchtung auch schon bestätigt...Die Geschichte hat mich dermaßen berührt und mitgenommen, dass ich mir bereits die ersten Tränchen wegwischen musste. Tabitha Suzuma spricht in ihrem Buch ein absolutes Tabu-Thema an, die Liebe zwischen Geschwistern, was weiß Gott keine leichte Kost ist. Allerdings gelingt ihr das auf eine wirklich feinfühlige und ergreifende Art und Weise, dass ich vollkommen in die Handlung abgetaucht bin. 

Die Liebe zwischen Maya und Lochan entwickelt sich so langsam und gefühlvoll, was unglaublich schön mitzuverfolgen ist, da man von Anfang an merkt, dass die zwei etwas ganz besonderes verbindet. Etwas das viel tiefer ist und über die normale geschwisterliche Beziehung hinausgeht. Als Leser weiß man, dass diese Gefühle eigentlich nicht sein dürften, aber ich habe gemerkt, wie ich ab einem gewissen Punkt einfach ausgeblendet habe, dass die beiden Bruder und Schwester sind. Vor allem nachdem man einen immer besseren Einblick in ihr Leben und die Umstände bekommt, unter denen sie aufwachsen mussten.

„Früher war ich so stark: Ich schaffte es, all diese kleinen Dinge zu bewältigen, all die Winzigkeiten, die Tretmühle des Alltags, Tag für Tag. Aber ich merkte nie, dass es Maya war, die mir Kraft dazu gab. Weil sie da war, hielt ich durch, wir teilten uns die Pflichten und munterten uns gegenseitig auf, wenn der andere niedergeschlagen war. (…)Wir waren einander auf eine besondere Weise nahe und teilten miteinander ein Leben, das nur uns alleine gehörte. Das nur wir verstanden. Zusammen waren wir vor der Welt sicher.“ (S.162)

So ist es sicher nicht verwunderlich, dass ich mich immer wieder gefragt habe, ob ihre Gefühle füreinander wirklich so falsch sein können. Klar ist das Inzest (das möchte ich gar nicht verharmlosen) und ich für meinen Teil könnte mir nie vorstellen mich in meinen Bruder zu verlieben, aber ist diese Liebe darum falsch? Komplizierte Frage, auf die ich keine konkrete Antwort geben, geschweige denn ein Urteil fällen kann. Gefühle lassen sich nun mal nicht steuern, niemand kann sich aussuchen wen er liebt oder nicht. Wer bin ich also der entscheidet was richtig bzw. falsch ist?

Andererseits führt die Autorin einem aber auch schonungslos die Realität vor Augen. Es wird wirklich nichts beschönigt. Mehr als einmal bekommen wir Lochan und Mayas Bedenken, Zweifel und Ängste mit. Ihre Verzweiflung wie es mit ihrer Liebe nur weitergehen soll, welche Konsequenzen sie erwarten könnten etc. und das hat mich in ein regelrechtes Gefühlschaos gestürzt. In einem Moment überglücklich, im anderen bedrückt und traurig über eine unerwartete Wendung. Es war ein ständiges Bangen und Hoffen…

Der Schluss hat mir letztendlich den Rest gegeben. Ich habe Rotz und Wasser geheult und konnte einfach nicht fassen, dass die Geschichte so zu Ende gehen soll…   
 
Tabitha Suzumas Schreibstil ist trotz des schwierigen Themas das sie behandelt, schön flüssig und leicht zu lesen. Dafür weiß sie genau wie sie mit den Emotionen ihrer Leser zu spielen hat. Forbidden war bis jetzt eines der eindringlichsten Bücher, das ich je gelesen habe. Ihre Worte haben sich direkt in meine Gedanken eingebrannt und mein Herz unfassbar schwer werden lassen.   

 
Lochan ist mit einer der beeindrucktesten Charaktere, die ich je kennenlernen durfte. Er hat sich von der ersten Seite in mein Herz geschlichen, sodass ich nicht anders konnte als mit ihm mitzufühlen und mitzuleiden. Der Leser lernt ihn als einen sehr schüchternen und sensiblen jungen Mann kennen, der schon früh lernen musste auf eigenen Beinen zu stehen und für sich selbst zu sorgen. Nachdem sein Vater die Familie verlassen und seine Mutter beschlossen hat sich nun wieder ihrem eigenen Leben zu widmen, hat er die Verantwortung für seine jüngeren Geschwister übernommen. Immer an seiner Seite seine Schwester Maya (Sie mochte ich auch sehr gerne), auf die er sich bedingungslos verlassen kann, die ihn unterstützt und mit ihm zusammen die Familie zusammenhält. Es ist so berührend wie selbstlos die beiden sich um alles kümmern. Sie würden alles für ihre Geschwister tun.

Die einzige auf die ich während des Lesens einen regelrechten Hass ausgeübt habe ist Lochan und Mayas Mutter. Ich glaube ich habe noch nie so eine verantwortungslose, selbstsüchtige und egoistische Frau erlebt. Wie können einem seine Kinder so egal sein, dass man sie mit allem alleine lässt, sich nicht dafür interessiert wie es ihnen geht, wie sie die Situation meistern und die Aufgaben übernehmen, die eigentlich ihre sein sollten? Ja eine Mutter, die es nicht einmal begreift, wieso sie ihr eigen Fleisch und Blut mit Geld unterstützen sollte. Nein ihr Verhalten konnte ich wirklich in keinster Weise verstehen.  

 
„Forbidden“ von Tabitha Suzuma ist eine der berührensten und einnehmendsten Geschichten, die ich bis jetzt gelesen habe. Ich habe wirklich noch kein Buch gelesen, bei dem ich Angst hatte, dass nächste Kapital zu lesen, weil ich befürchtete dass das kurzfristige Glück jäh zerstört werden könnte. Aber sie hat mich auch sehr nachdenklich gestimmt und mir gezeigt, dass es bei manchen Dingen einfach kein richtig oder falschen gibt. Vor allem nicht wenn es um Gefühle geht. Nicht zu vergessen die beiden Protagonisten Lochan und Maya, die mir von der ersten Seite ans Herz gewachsen sind.

Ich habe auf jeden Fall ein neues Lieblingsbuch gefunden, dessen Geschichte mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
 



 
Tabitha Suzuma wurde 1975 als Tochter einer Engländerin und eines Japaners in London geboren. Sie studierte Französische Literatur am Londoner King's College und arbeitete nach einer pädagogischen Zusatzausbildung als Grundschullehrerin. Seit 2006 hat sie mit großem Erfolg mehrere Romane für Jugendliche veröffentlicht. Zu »Forbidden« schreibt das britische Magazin The Bookseller: "Eine aufwühlende, eindringlich erzählte Geschichte, die sowohl Leser im Teenageralter als auch erwachsene Leser nicht so schnell vergessen werden". Tabitha Suzuma wurde unter anderem mit den Literaturpreisen "Young Minds Book Award" und dem "Stockport Schools Book Award" ausgezeichnet.  [Quelle: Verlagshomepage Oetinger]


 
 
  







Kommentare:

  1. Wow, was für eine tolle und emotionale Rezi!
    Das Buch steht gaaanz oben auf meiner Wunschliste und jetzt will ich es am liebsten sofort haben :) Nur hast du mir jetzt Angst gemacht, dass das Ende nicht "happy" ist..
    Liebe Grüße,
    Stefanie

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    1. Schön wenn sie dir gefallen hat. Ja so ging es mir auch...Ich hatte nach dem was ich den Rezi gehört habe auch total Angst vor dem lesen. So emotionale Bücher gehen mir nämlich immer super nah und lassen mich meistens nach Beenden nicht so schnell wieder los.

      Liebe Grüße

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- Sarina