Mittwoch, 19. März 2014

(Rezension) "Der Anfang von Danach" von Jennifer Castle

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Als eines Abends ein Polizist bei Laurel vor der Tür steht, wird ihr Leben von einem Moment auf den anderen in zwei Teile gerissen: das Davor und das Danach. Denn ihre Familie wird von der kurzen Fahrt zur Eisdiele nie mehr zurückkehren, sie ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Mit im Auto saßen auch die Eltern von David, nur er blieb wie Laurel verschont. Die beiden versuchen auf ganz verschiedene Weise, zurück ins Leben zu finden. Laurel sieht sich in ihrer Trauer und Verzweiflung mit ganz banalen Problemen konfrontiert: Was tun mit den Jacken ihrer Eltern, die noch im Flur hängen? Was soll sie mit dem plötzlichen Interesse ihrer Mitschüler an der „Überlebenden“ anfangen? Und soll sie trotz allem zum Abschlussball gehen und versuchen, Spaß zu haben? Langsam, ganz langsam, findet Laurel ihren Weg und lernt dabei auch den unnahbaren David immer besser kennen. 

 
 
Der Verlust eines geliebten Menschen ist für mich (und damit wird es mir sicherlich nicht alleine so gehen) eine Vorstellung, an die ich so gut wie jegliche Gedanken vermeide, da es so unwirklich, ja irgendwie auch unvorstellbar ist, dass diese oder jene Person aus meiner Familie eines Tages nicht mehr da sein könnte. Dabei kann ein Todesfall jeden von uns jederzeit betreffen.

Laurel und David müssen diese bittere Tatsache am eigenen Leib spüren…Im einen Augenblick ist noch alles gut und sitzen zusammen beim Essen und feiern Pessach mit ihren Familien und dann verändert eine einziger kleiner Moment, eine einzige Entscheidung ihr komplettes Leben. Denn Laurels Eltern, ihr Bruder und Davids Mutter werden von der kurzen Fahrt zur Eisdiele nie mehr zurückkehren. Nur Davids Vater überlebt schwer verletzt und liegt fortan im Koma. Ob er jemals aufwachen wird ist ungewiss. Man spürt förmlich wie sich eine Kuppel aus Schmerz, Trauer und Unglauben um die beiden legt. Aber auch mich hat diese plötzliche Wendung sehr mitgenommen und traurig gestimmt, denn so ein Verlust wünscht man wirklich keinem.

Die Geschichte selbst lebt nicht von Spannung oder Nervenkitzel, sondern von den leisen und ruhigen Momenten, die trotz ihrer Stille so unglaublich viel aussagen. Der Weg der Charaktere, wie sie langsam aus ihrer Schockstarre erwachen, lernen mit dem Schmerz, den dieser schreckliche Verlust in ihnen verursacht hat, umzugehen, ihr ursprüngliches Leben so gut wie es geht wieder aufzunehmen, in geregelte Bahnen lenken und versuchen nach vorne zu schauen, war wirklich total interessant und faszinierend zu beobachten. Vor allem da jeder von ihnen mit der Zeit seine ganz eigene Methode entwickelt, wie er mit seiner Trauer umgeht. Natürlich ist das langwieriger Prozess, da es so viele Dinge gibt die einen an die verstorbenen Personen erinnern und die frischverheilten Wunden wieder aufreißen können.

Das Ende ist jedoch voller Hoffnung und Zuversicht und rundet das ganze Buch so schön ab.
 
Jennifer Castle Schreibstil ist ruhig und schlicht, was unglaublich gut zum Thema dieser Geschichte passt. Ihre Worte sind so sensibel gewählt und sorgen für eine ganz besondere Leseatmosphäre. Unterschwellig spürt man die Trauer, die Laurel, ihre Großmutter und David seit dem Unfall erfüllt und Tag für Tag begleitet. Und natürlich auch der Schock über dieses tragische Ereignis, das das Leben der drei verändert, ist absolut greifbar und nachvollziehbar. Allerdings hätte ich mir stellenweise doch noch mehr Emotionen gewünscht, denn die Geschichte konnte mich nicht so mitnehmen, wie ich vorher vermutet hatte. Vor allem Laurel kam mir sehr abgeklärt vor. Sie verdrängt den Schmerz über den Verlust ihrer Familie, versucht stattdessen wie zuvor weiterzumachen.

 
Laurel ist ein schüchternes und zurückhaltendes Mädchen, das fleißig für die Schule und ihren Abschluss lernt, sich in der Theater-AG engagiert, Nachhilfe gibt, zeichnet oder mit ihrer besten Freundin shoppen geht. Sie führt also ein ganz normales Leben, bis der Unfall alles komplett auf den Kopf stellt. Nach außen geht sie damit relativ nüchtern um, zeigt ihre Trauer kaum, verdrängt sie in gewisser Weise, sodass nicht nur die Menschen um sie herum nicht an sie herankommen, sondern auch der Leser. Einerseits konnte ich sie wirklich verstehen, andererseits bin ich einfach nicht richtig mit ihr warm geworden. Man merkt zwar, dass sie nicht der Mensch ist, der groß Gefühle zeigt, aber ich habe trotzdem immer auf den Moment gewartet, in dem alles aus ihr herausbricht. So großen Kummer kann schließlich keiner auf ewig alleine mit sich ausmachen.

Zu David habe ich hingegen sofort einen Draht gefunden. Ich weiß nicht wieso, da man über ihn eigentlich auch nicht allzu viel erfährt, trotzdem mochte ich ihn von Anfang an. Er geht ganz anders mit seiner Trauer um. Ganz anders als Laurel hält er es zu Hause nicht mehr aus, kann nicht einfach da weitermachen wo er aufgehört hat. Aus diesem Grund verlässt er die Stadt, reist umher und lässt seine Probleme hinter sich. Doch irgendwann kann auch er sich diesen nicht mehr entziehen.  

 
„Der Anfang von Danach“ von Jennifer Castle konnte mich leider nicht so mitnehmen, wie ich vorher vermutet hatte. Mir haben stellenweise doch ein wenig die Emotionen gefehlt, vor allem von unserer Protagonistin Laurel. Ansonsten hat mir die Geschichte wirklich gut gefallen, da sie einmal nicht von Spannung, sondern von den leisen und ruhigen Momenten lebt. Den Weg den die Charaktere gehen um langsam wieder in ihr Leben zurück zu finden und lernen mit dem Schmerz, den dieser schreckliche Verlust in ihnen verursacht hat, umzugehen war wirklich total interessant und faszinierend zu beobachten. Denn es ist gar nicht so leicht den Tod eines Menschen zu verkraften, wenn es überall Dinge, die einen an den/die Verstorbenen erinnern.  

*3,5 Sterne*
 



Jennifer Castle studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben an der Brown University; danach arbeitete sie als Werbetexterin und Drehbuchschreiberin und entwickelte Webseiten für Kinder. „Der Anfang von Danach“ ist ihr erstes Buch. Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Töchtern und zwei Katzen im Hudson Valley, New York. [Quelle: Verlagshomepage Carlsen Verlag]





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- Sarina