Freitag, 28. März 2014

(Rezension) "Bäume reisen nachts" von Aude Le Corff

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Seit Monaten verbringt die achtjährige Manon ihre Nachmittage allein, unter einer riesigen Birke im Garten. Sie verschlingt ein Buch nach dem anderen und spricht mit Ameisen und Katzen, nur um an eines nicht denken zu müssen: das spurlose Verschwinden ihrer Mutter. Mit dem eigenen Kummer beschäftigt, vermögen Manons Vater Pierre und ihre Tante Sophie das stille Mädchen nicht zu trösten. Doch Manons Einsamkeit erweicht das Herz des mürrischen Nachbarn Anatole, der, seitdem er nicht mehr unterrichtet, sich von Kindern möglichst fernhält. Sie beginnen, gemeinsam den Kleinen Prinzen zu lesen, und es erwächst eine außergewöhnliche Freundschaft. Als eines Tages überraschend Briefe der Mutter eintreffen, schmieden das Mädchen und der alte Mann einen kühnen Plan, der sie gemeinsam mit Pierre und Sophie auf eine abenteuerliche Reise quer durch Europa führt… 
 
Aude Le Corffs Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen, sodass die Seiten wie nichts dahinfliegen. Sie verwendet außerdem wunderschöne, sanfte Worte, die einen wie in Watte hüllen und einem eine gewisse Geborgenheit vermitteln. Das einzige, was mir nicht so gefallen hat, war die etwas distanzierte Erzählweise, durch die ich zu keinem der Charaktere eine richtige Verbindung aufbauen konnte. Man bekommt zwar mit was sie denken und fühlen, kann ihre Emotionen aber nicht hautnah spüren oder miterleben.  

 
Manons Mutter Anais ist von einem auf den anderen Tag plötzlich spurlos verschwunden. Zurückgeblieben sind nur ihre Sachen, ein Brief und die Erinnerungen an viele schöne, gemeinsame Momente. Ach ja und ein großes Loch in Manos Herzen, sowie Kummer und Traurigkeit. Vor allem ihrem Vater hat der Verlust seiner Frau sehr zugesetzt. Ihm fehlt selbst die Kraft sich um seine Tochter zu kümmern. Und so ist das kleine Mädchen auf einmal ganz auf sich alleine gestellt, bis sie eines Tages die Aufmerksamkeit ihres mürrischen Nachbars Anatole auf sich zieht. Dieser ist ganz fasziniert von dem stillen Mädchen, das jeden Tag unter einem Baum im Garten sitzt und liest, dass er beschließt sich ihrer anzunehmen. Und so beginnt er ihr aus dem Kleinen Prinzen vorzulesen, woraus sich mit der Zeit eine kleine Freundschaft zwischen den beiden entwickelt. Das ist jedoch nicht das einzige: Die Geschichte des Kleinen Prinzen hilft Manon mit ihrem Kummer umzugehen zu lernen und neue Hoffnung zu schöpfen.

Wirklich eine wunderschöne Idee der Autorin, die sie auch – mal abgesehen von einigen kleineren Kritikpunkten – toll umgesetzt hat. Besonders als plötzlich ein Brief von Anais aus Marokko ankommt und sich Mano, ihr Vater Pierre, ihre Tante Sophie und Anatole auf den Weg zu Anais machen, um sie zurückzuholen. Es beginnt eine Reise, die für alle Beteiligten einige Überraschungen bereithält und sie verändern wird, sie schöne und traurige Momente aber auch quälende Zweifel erleben lässt. Der ein oder andere muss sich außerdem mit seiner Vergangenheit auseinander setzen und über seinen Schatten springen.

„Das Mädchen beobachtet eine Weile die Tiere, dann vertraut sie Anatole ihre Gedanken an. „Du hast zwar keine eigenen Kinder, aber dafür hast du mich gefunden.“ Der Alte setzt stammelnd zu einer Antwort an, schweigt dann aber lieber. Er findet nicht die richtigen Worte um zu beschreiben, wie sehr sich sein Leben geändert hat.“ (S.98)

Ständiger Begleiter sind hierbei Zitate aus „Der kleine Prinz“, was mir echt gut gefallen hat, da sie passend in die jeweilige Situation mit eingeflochten wurden und unseren Charakteren immer wieder neuen Mut verleihen.

Ein paar Dinge, wie zum Beispiel das Leben von Sophie, hätten nicht ganz so ausführlich behandelt werden müssen. Sie nehmen doch eine große Rolle ein, obwohl es mit der eigentlichen Handlung nicht viel zu tun hat.

Auch das Ende hat mir nicht ganz so gut gefallen. Auf einmal ging irgendwie alles viel zu schnell, wodurch die Geschichte an Glaubhaftigkeit eingebüßt hat. Die Autorin hätte ruhig noch ein paar Seiten mehr schreiben und alles etwas ausführlicher abschließen können.  

 
In „Bäume reisen nachts“ beschäftigt sich Aude Le Corff mit einem sehr berührenden und stellenweise auch traurigen Thema, das sie – mal abgesehen von einigen kleineren Schwächen – toll umgesetzt hat. Vor allem die Freundschaft, die zwischen Anatole und Manon entsteht, ist wirklich schön dargestellt. Nicht zu vergessen die Zitate aus „Der kleine Prinz“, die immer wieder in die Geschichte mit eingeflochten sind und unseren Charakteren auf ihrer Reise begleiten. Das einzige, was mir nicht so gefallen hat, war die etwas distanzierte Erzählweise, durch die ich zu keinem der Charaktere eine richtige Verbindung aufbauen konnte. 



 
Aude Le Corff, 1977 in Tokio geboren, studierte Wirtschaft und Psychologie, bevor sie 2009 ihr mit dem Prix ELLE ausgezeichnetes Blog Nectar du Net begann. Bäume reisen nachts ist ihr erster Roman. Sie lebt mit ihrer Familie im französischen Nantes. [Quelle: Verlagshomepage Insel Verlag]




 
 


Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Rezension!
    Es ist zwar schade, dass die Erzählweise etwas distanziert ist, dennoch möchte ich das Buch bald gerne noch lesen.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende :)
    Nora

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    1. Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Erzählweise und dann ist das nur noch Nebensache. Die Geschichte ist es jedenfalls wert gelesen zu werden.

      Dir auch ein schönes Wochenende :)

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  2. Hallo! Dein Blog ist ja mal süß gestaltet! Wie hast du das eigentlich mit den Rechten gemacht? Also wegen den Videos. Ich schreib die Leute immer an. Autorenfoto durfte ich keines hinzufügen.. Grüße, Sara von http://thatsyit.blogspot.de/ (kein purer Bücherblog)

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- Sarina