Donnerstag, 31. Januar 2013

(Rezension) "Boot Camp" von Morton Rhue


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Der 15jährige Conner hat keine Ahnung, wohin ihn die beiden Fremden bringen, die ihn entführt, mit Handschellen gefesselt und auf den Rücksitz eines Autos verfrachtet haben. Das einzige, was er weiß, dass seine Eltern etwas damit zu tun haben müssen.
Am Ziel der Reise angekommen wird ihm sofort klar, wo er gelandet ist: In einem Boot Camp. Ein Schock! Schließlich ist Conner keiner dieser straffälligen oder drogensüchtigen Jugendlichen, die über keinerlei Werte oder Respekt verfügen und die typischen „Insassen“ einer solchen Einrichtung sind. Im Gegenteil, er ist ein hochintelligenter Junge, der trotz dieser Tatsache einfach nicht denn Erwartung seiner Eltern entspricht. Doch das kann sich ja ändern lassen… z.B. mit einem auf unbestimmte Zeit befristeten Aufenthalt in einem Boot Camp. Und mit dieser Entscheidung ändert sich Conners Leben grundlegend. Fortan ist er willkürlichen Maßnahmen extremer physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt, die nur ein einziges Ziel verfolgen: seinen Willen zu brechen. Dabei ist jedes Mittel recht…


Das Buch ist wirklich äußerst spannend und interessant geschrieben. Es gab kein Moment an dem die Story irgendwie abgeknickt ist. Danke hierfür Morton Rhue. Sein Schreibstil ist wirklich super. Schön flüssig zu lesen, sodass die Seiten nur so dahin fliegen. Zusätzlich sind die Kapitel so unterteilt, dass am Anfang jedes Kapitels ein Gebot bzw. einen Camp Regel steht, die einem gleich einen Blick verschafft, wie es im Camp zugeht.



Bereits auf den ersten Seiten war ich schockiert über die Zustände in Lake Harmony (Harmonie, das ich nicht lache^^). Eigentlich war mir in etwa schon bewusst, wie die Zustände in Boot Camps aussehen, aber meine Vorstellungen wurden bei weitem übertroffen. Von Anfang an werden die Jugendlichen systematisch niedergemacht, gedemütigt und blamiert, um deren Willen zu brechen. Das oberstes Gebot lautet nämlich: Du musst die Autorität von Erwachsenen einhalten und nicht anzweifeln.

Tja und hierfür ist jedes Mittel recht…Die Betreuer sind knallhart und scheinen absolut kein Gewissen zu haben, geschweige denn ein Fünkchen Mitleid oder Nachsicht. Im Gegenteil die Campinsassen (ist meiner Meinung nach passender) werden wegen nichts angebrüllt oder bestraft. z.B. Wenn nicht das sagt wird, was die Betreuer in dem Moment hören möchte. Dann kommt man auf die Isolationsstation, wo sich die Jugendlichen mit dem Gesicht auf dem Boden legen müssen und nur aufstehen dürfen, wenn sie aufs Klo gehen oder etwas essen. Außerdem werden ihnen immer wieder die gleichen Sätze an den Kopf geworfen:

„Du hast es dir selbst zuzuschreiben, dass du hier bist.“, „Alles was du in deinem Leben getan hast, war falsch.“, „Du kommst hier niemals raus, wenn du nicht lernst, Autoritäten zu respektieren.“, „Du musst lernen, dankbar zu sein. Deine Eltern haben dich hierher geschickt, um dich zu retten. Du hast ihnen sehr viel zu verdanken.“ (S.61)

Doch nicht nur die Betreuer sind so grausam. Auch die Jugendlichen untereinander machen sich gegenseitig fertig. Jeder will am besten da stehen und ist sich daher der Nächste. Ich würde sogar fast so weit gehen und behaupten, dass eine gewisse Hierarchie unter den Bewohnern herrscht. Klassische Rollenverteilung: Die Starken dominieren die Schwachen und nutzen jede Chance die Unterlegenheit zu demonstrieren. Vor allem die, die schon länger im Camp sind als Conner, haben alle Lake Harmony Parolen übernommen (glauben sie auch wirklich) und beten sie ständig herunter -> Gehirnwäsche. Aber genau das ist es, was erreicht werden soll. Die Jugendlichen sollen gehorsam sein und gehorchen (am besten keine eigenen Meinung). Allerdings, wer jetzt glaubt, dass derjenige der sich von Anfang an anpasst besser behandelt wird, hat sich geschnitten. Dieses Verhalten wird überhaupt nicht gern gesehen.

„Du machst dir was vor, wenn du denkst, du kommst hier raus, wenn du dich an die Regeln hältst und denen sagst, dass du dein früheres Verhalten bereust. Das reicht nicht. Du musst das wirklich glauben. Du musst überzeugt davon sein, dass du Unrecht getan hast und dass man dich deshalb zu Recht hierher geschickt hat. Die wollen die umpolen. Denen kannst du nichts vormachen.“ (S.74)

Eine ganz zentrale Rolle in diesem Buch spielt das Thema Gewalt. Körperliche und physische Misshandlungen gehören quasi zur Tagesordnung dazu. Allerdings nur indirekt durch die Betreuer. Diese machen sich die Hände nicht schmutzig. Nein, dafür benutzen sie die Gehirngewaschenen Jugendliche. Manchmal wird ein Übergriff sogar ganz bewusst provoziert, indem sie bei einem Vergehen, die komplette Gruppe (oder wie sie es nennen „Familie“) bestrafen. Sie ziehen einige der bereits gesammelten Punkte ab, wodurch alle eine Stufe nach unten gesetzt werden. Und das ein rotes Tuch für alle. Vor allem für diejenigen, die schon 1 Jahr und länger im Camp sind, denn jede höhere Stufe, bringt einen ein Stück mehr in Richtung Freiheit. Dieses Verhalten macht einen doch nur sprachlos. Einfach unmenschlich und verachtend.

Genauso schockiert haben mich jedoch nicht nur die Zustände im Camp, sondern vielmehr auch die Gründe, warum die Eltern ihre Kinder sie dahin geschickt haben.

Conner z.B. ist nicht der Mustersohn und verhält sich nicht so wie sie es seine Eltern möchten. Hinzukommt noch, dass er sich nicht an das Verbot hält, sich nicht mehr mit seiner 10 Jahre älteren Lehrerin zu treffen. Sarah wiederum wurde von ihrem Vater hierher geschickt, weil sie sich nicht der Gemeinschaft der Mormonen anschließen wollte. Und zum Schluss wäre da Pauly: Sein Vater hat ihn nach Lake Harmony geschickt, weil er zu schmächtig und unmännlich ist. Hallo?! Geht’s noch! Klar sollte man Respekt vor seinen Eltern haben und hören bzw. annehmen, was sie einem sagen, doch eine eigene Meinung zu haben ist schließlich auch wichtig.

Apropos Eltern. Auch diese werden ganz bewusst manipuliert. Alle 6 Monate gibt es einen Tag der offenen Tür bzw. Besuchstag. Vorher werden die Jugendlichen natürlich instruiert, damit alles völlig harmlos aussieht und keiner etwas von den Zuständen und Erziehungsmaßnahmen mitbekommt. Es wird nur das gezeigt, was zu sehen sein soll. Richtig scheinheilig (Wird einem aber schon am Anfang bewusst, durch die Namen der verschiedenen Gruppen bzw. Familien: Würde, Wahrheit, Treue, Höflichkeit). Aber auch davor hat Lake Harmony seine Mittel, wie es seinen guten Ruf beibehält. Verschwiegenheitserklärungen müssen unterschrieben werden, sodass keiner außer den Betreuern und Eltern weiß, wo das Kind hin ist.


Ich habe es nicht bereut „Boot Camp“ gelesen zu haben, obwohl ich es für mich größtenteils einfach nur erschreckend war. An manchen Stellen standen mir echt die Tränen in den Augen. Dass es diese Erziehungsanstalten in Amerika tatsächlich gibt, wusste ich zwar, doch dass dort nicht nur schwer erziehbare Jugendlichen von ihren Eltern hingeschickt werden, war mir neu. Ein Kind nach Maß, oder wie? Ob die überhaupt über die Zustände Bescheid wissen? Würde mich wirklich brennend interessieren! Jedenfalls war die Story spannend bis zum Schluss. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen. Außerdem hat mich das ganze sehr sehr nachdenklich gestimmt. Boot Camps sind für mich keineswegs nur Erziehungsanstalten. Für mich sind sie schlichtweg Gefängnisse, in denen Kinder nach Maß herangezüchtet werden sollen. Und da muss sich jeder fragen: Will man das?







Morton Rhue, der eigentlich Todd Strasser heißt, wurde am 5. Mai 1950 auf Long Island, New York, geboren und wuchs auch dort auf. Als junger Mann reiste er durch die USA und Europa und verdiente sich sein Geld z. B. als Schiffssteward und Straßenmusiker. Nach dem Studium arbeitete er einige Jahre als Zeitungsreporter und Werbetexter. Schließlich entschloss sich Morton Rhue dazu, das Schreiben von Büchern zu seinem Hauptberuf zu machen. Seitdem hat er eine große Menge von Romanen und ... [Quelle: weltbild.de]

Freitag, 25. Januar 2013

(Rezension) "Rockoholic" von C.J. Skuse

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Es ist der wichtigste Tag in Jodys Leben: Sie geht auf ein Konzert ihrer absoluten Lieblingsrockband „The Regulators“. Als allergrößter Fan, dessen Traum es ist, Seite an Seite mit Jackson Gatlin zum Traualter zu schreiten, ein Muss. Bereits Stunden vor Konzertbeginn ist sie vor Ort und wartet vor dem Eingang, um ganz vorne stehen und so von Jackson wahrgenommen werden zu können. Aber dann kommt es doch ganz anders. Während des Konzerts verliert sie in der Fanmenge ihren Mondstein, den sie von ihrem kürzlich verstorbenen Opa geschenkt bekommen hat. Natürlich sucht sie sofort nach ihm, findet ihn – jedoch außerhalb ihrer Reichweite. Das schreckt Jody doch nicht ab… Das nächste woran sie sich erinnert ist, dass sie sich im Backstagebereich auf einem der Krankenbetten wiederfindet, wo sie den größten Teil des Konzerts verbracht hat. Schlimmer kann es echt nicht werden- dachte Jody jedenfalls. Denn was dann passiert, hätte sie sich nie erträumt. Ohne lange zu zögern marschiert sie noch vor dem endgültigen Konzertende zu Macs (ihrem besten Freund) Wagen. Im Schlepptau ein völlig zu gedröhnter Rockstar, der Jodys zuvor angebotenen Schokoriegel für ein Messer hielt. Kurzerhand landet dieser ahnungslose Rockstar in Jodys Garage. Allerdings fangen damit die Probleme erst an. Wie kann man jemanden unbemerkt, in einer Kleinstadt im Nirgendwo, gefangen halten, wo doch die ganze Welt sich auf die Suche nach dem Verschwundenen macht.


C.J. Skuse hat einen sehr bildhaften Schreibstil, der es einem leicht macht, sich Figuren und Orte vorzustellen. Außerdem ist er recht flüssig und uns Jugendliche angepasst, sodass die Kapitel nur so dahin fliegen. Ich musste mich förmlich bremsen, um zwischenzeitlich kleinere Pausen einzulegen. Rockoholic wird aus der Sicht von Jody, der Hauptperson erzählt. Somit erlebt man alles aus ihrem Blick und kann sich gut in ihr Innenleben, aber auch in das der anderen hineinversetzen.



Das Buch ist auf keinen Fall die leichte Unterhaltung, die ich nach dem Klappentext und der Leseprobe erwartet hatte. Im Gegenteil diese Geschichte verbirgt sehr viel Tiefgang, da sich die Charaktere mit ernst zunehmenden Themen wie z.B. Drogen oder den Schattenseiten des s Rockstardaseins auseinander setzen müssen. Dieses Buch hat mir doch das eine oder andere Mal zu denken gegeben und mich an der ein oder andere Stelle auch schlucken lassen.

Doch erst einmal etwas zu Jody. Jody ist mit ihren 16 Jahren ein typischer Teenager-vielleicht auch eine Spur extremer. Sie stellt immer wieder Dummheiten an, aus denen Mac sie herausholen muss und die ihre Mutter glauben lassen, dass ihre Tochter Drogen nimmt. Ich glaube ich muss nicht sagen, dass die beiden kein gutes Verhältnis zueinander haben. Der einzige in der Familie, der Jody 100% verstanden und ihre Leidenschaft für Rockmusik geteilt hat, war ihr Opa, der kürzlich verstorben ist. Jetzt hat sie nur noch ihren besten, vermutlich schwulen Freund Mac(Kenzie) und ihre heißgeliebte „The Regulators“. Jody verehrt diese Band und vor allem den Leadsänger abgöttisch. Ihre Fanliebe (wortwörtlich) ist schon fast übertrieben. Sie würde alles für ihre Stars tun-egal ob tagelang hungern, tausende Bandartitkel ersteigern etc. Dass auf der Bühne eigentlich auch nur ganz normale Menschen stehen, die nicht weniger Probleme haben wie unsereins, sieht sie gar nicht. Naja aber solche Fangirlies gibt es ja auch in Realität – was ich allerdings noch nie nachvollziehen konnte. Aber im Laufe des Buches lernt sie einiges dazu und wird dadurch ein Stück weit erwachsener.

Mac, Jody’s bester Freund, war mir dagegen von Anfang an super sympathisch. Ihn und seine Schwester Cree habe ich direkt in mein Herz geschlossen. Er ist ein ruhiger, ausgeglichener Charakter und gewissermaßen Jody’s Fels in der Brandung. Er hilft ihr aus allen Situationen hinaus, egal wie verfahren diese ist (das heißt jedoch nicht, dass er alles gut heißt, was Jody tut). Zu Jackson möchte ich jetzt mal nichts schreiben, da ich sonst zu viel von der Geschichte verraten würde. Ich sagen nur noch, dass alle Charaktere liebevoll bis in das letzte Detail gestaltet wurden.

Vom Inhaltlichen her, behandelt das Buch die Welt backstage bzw. hinter den Kulissen, von der wir alle kaum etwas wissen. Das Showbusiness erscheint uns Außenstehende immer soooo toll und man wünscht sich selbst ein Teil davon zu sein, doch diese Welt lebt hauptsächlich von Illusionen. Meistens ist das, was man sieht nur gespielt. Denn wenn du erst einmal mitten drin steckst, kommst du nicht mehr raus. Genau das lernt Jody kennen, je mehr Zeit sie mit Jackson verbringt und mehr über die Person hinter der Fassade erfährt. Jackson hat das Star-Sein einfach nur satt hat. Durch dieses offene Statement verschwindet nach und nach Jody’s Anbetung gegenüber Jackson. Sie begreift allmählich, dass Stars auch nur Menschen sind, die in Ruhe leben wollen und Privatsphäre brauche.


Ich habe das Buch sehr schnell gelesen gehabt, da ich es nie so richtig aus den Händen legen wollte. Die Story ist zwar wirklich gut, doch auch recht unrealistisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein 16jähriges Mädchen einen gefragten Rockstar so einfach entführen und ihn dann auch noch längere Zeit in ihrer Garage verstecken kann, ohne das es jemand bemerkt, ist schon sehr weit hergeholt. Aber, was soll´s? Im Gesamten gesehen ist Rockoholic ein richtig guter Jugendroman, der zeigt, dass die Vorbilder von uns Teenagern nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen. Mich jedenfalls hat die Geschichte sehr nachdenklich gestimmt. Ich kann jetzt z.B. gut nachvollziehen, warum Stars manchmal ausrasten, wenn sie von Paparazzis verfolgt werden. Die Grundidee mit der Entführung mag etwas realitätsfern sein, doch die Umsetzung ist dennoch gelungen. Ich habe definitiv ein neues Lieblingsbuch entdeckt;)




 
C.J. Skuse wurde 1980 im englischen Badeort Weston-super-Mare geboren und lebt heute in Burnham-on-Sea. Sie liebt Sitcoms aus den 80er Jahren, Gummibärchen und die Band "My Chemical Romance". An der Bath Spa University studierte sie Kreatives Schreiben und erhielt eine Auszeichnung für ihre Masterarbeit im Fach "Writing for Young People". Zurzeit beschäftigt sie sich für ihr drittes Jugendbuch mit Eidechsen, Leichenhallen und 80er-Jahre-Elektropop. [Quelle: buchbotschafter.de]

Neuerscheinungen, auf die ich mich 2013 freue


Hallo ihr Lieben,

wie jedes Jahr erscheinen auch 2013 wieder allerhand neue Bücher auf dem Buchmarkt. 
  
Hier kommen meine Highlights...
(Ein Klick aufs Cover führt euch zur Verlagsseite)


Als erstes meine absoluten Must-Reads, auf die ich mich ganz besonders freue:

    
   

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Von mir bereits (begeistert) gelesen:

Meine Rezension zu BETA findet ihr hier


Meine Rezension folgt in den nächsten Tagen :) 


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Und zum Schluss noch einige weitere interessante Neuerscheinungen:
 
           
  

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So, ich glaube das wär's fürs erste gewesen ;)
Haben ich  irgendein Buch vergessen oder übersehen? 
Wenn ja, dann her mit euren Empfehlungen!

Liebe Grüße

Donnerstag, 24. Januar 2013

(Rezension) "BETA" von Rachel Cohn


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Schaut mal, hier bei cbt gibt es auch einen Trailer: KLICK
 


Elysia ist eine weibliche Beta, eine Testversion eines geklonten Teenagers, geschaffen um den Reichen und Schönen der Insel Demesne zu gefallen und ihnen zu dienen. Den Dienstbereich legen die Besitzer, durch ein Tattoo auf der Schläfe des Klones fest. Allerdings ist das nicht der einzige Unterschied, der sie von den restlichen Menschen abgrenzt. Da wären zum Beispiel die fuchsiafarbenen Augen, die jeder Klon besitzt. Desweiteren haben sie keine Seele und keinen eigenen Willen, sondern einen Chip, der ihnen sagt, was sie wissen und sagen müssen. Und so dauert es nicht lange, bis Elysia von einer Familie gekauft wird. Fortan soll sie als Ersatz für deren Tochter Astrid, die inzwischen auf der Uni ist, als Spielgefährtin für die Geschwister und zur Unterhaltung der Mutter fungieren. Soweit scheint alles ganz einfach…Doch Elysia muss bald darauf feststellen, dass die heile Welt, die die Bewohner Demesne vorzuspielen versuchen, ganz und gar nicht so perfekt ist. Der Frieden wird von Klonen gestört, die Gefühle und eine eigene Meinung haben. Und auch bei ihr scheint es anders zu sein. Von Zeit zu Zeit holen sie Erinnerungen aus dem Leben ihrer First ein. Darüber hinaus kann sie schmecken und ihre eigenen Gefühle entwickeln. Ist sie etwa auch defekt? Dies würde ihren sicheren Tod bedeuten. Den das oberste Ziel für Klone lautet: Mach deine Besitzer glücklich…  

Der Schreibstil von Rachel Cohn ist gut und flüssig zu lesen, was einem den Einstieg in das Buch erleichtert. Außerdem scheint die Autorin sehr viel Wert darauf zu legen, dem Leser
die Umgebung nahe bringen zu wollen, denn an Beschreibungen fehlt es in dem Buch wirklich nicht. Genau genommen besteht das erste Buchdrittel fast vollkommen davon. Erst ab Buchmitte nimmt der Spannungsbogen stetig zu, bis man am Schluss fast nur noch mit fiebert. Passend dafür wurde die Ich-Perspektive gewählt. Wir bekommen die Geschichte ausschließlich aus Elysias Blickwinkel zu sehen. Man begleitet sich vom Tag ihrer Erschaffung, erlebt mit ihr Abenteuer, verfolgt ihr Handeln und erlebt ihre Gedanken und Gefühle hautnah mit.



Vom ersten Moment taucht man in Elysias Leben ein. In das Leben einer künstlich erschaffenen Person, die nur zu dem Zweck geschaffen wurde, um zu dienen und zu gehorchen. Zu Beginn erhält man als Leser einen kurzen Rückblick in die Zeit nach Elysias „Erschaffung“ und die Schulung, der anfangs komplett „leeren“ Klone. Man erfährt dabei auch einige Details über die herrschende Weltordnung und ihrer Entstehung: Nach den Water Wars schlossen sich sämtliche Länder des Kontinents zum Mainland zusammen. Die heutige vorherrschenden Welt hat sich dramatisch verändert. Die "Alten Städte" sind überflutet, als Ersatz wurden, dank Bioengeneering, neue gigantische Städte in den früheren Wüsten aufgebaut. Mitten in der Südsee, tausende Meilen von der Küste des Mainland entfernt entstand auf einer kleinen Insel eine neuen Archipels, Demesne. Demesne ist das Zuhause der Reichen und Schönen, aufgebaut nach deren Wünschen und Vorstellungen des Paradieses, umgeben vom künstlich erschaffenen Meer von Ion, das mit seinen blauvioletten Wellen entspannt. Wer darin schwimmt, verwandelt sich in ein besseres Wesen. Und auch die Luft ist etwas ganz Besonders, da sie mit zusätzlichem Sauerstoff angereichert wurde. Der ultrareichen Bevölkerung fehlt es an nichts. Viele Klone stehen zu Verfügung… Das Leben ist PERFEKT!!

Eigentlich eine ganze Menge die man erfährt, jedoch bleiben hierbei noch viele Fragen offen, die bis zum Buchende nicht vollständig zufriedenstellend beantwortet werden. Ich weiß nicht mir haben allgemein ein bisschen die Hintergrundinformationen gefehlt. Es ist wird ganz kurz angedeutet dass es in der nahen Vergangenheit Krieg gab, aber warum dieser stattfand, verrät die Autorin nicht. Meine Vermutung ist, dass sie sich hier wahrscheinlich Material für die Fortsetzung lässt.

Auf den ersten Blick erscheint dieses „Demesne“ absolut perfekt, ja geradezu makellos, um dessen Besuch sich die Leute nur so reißen. Dauerhafte Gäste oder auch Jugendliche gibt es allerdings nur wenige. Das ist auch der Grund warum Elysia von der Frau des Governors gekauft wird. Sie dient als „Kindersatz bzw. Ersatzschwester“, wodurch sie sich in ihrer neuen Familie auch erst wohl fühlt. Sie spielt mit der kleinen Tochter und trainiert mit dem großen Bruder. Außerdem entdeckt sich schnell das Element Wasser für sich, was alle vermuten lässt, dass ihre First eine Schwimmerin war. Doch im es wartet noch eine andere Überraschung auf sie: Immer wenn unter Wasser ist, sieht sie diesen jungen Mann, der zu ihr spricht. Dieses Erlebnis weckt in ihr ungeahnte Gefühle.

Ihr seht, ich deute damit an, dass Elysia während der Geschichte eine große Entwicklung durchmacht. Zu Beginn ist sie der „intakte“ Klon, der uns zeigt, wie ein in so einem Wesen aussieht. Eigene Bedürfnisse kommen nicht infrage. Auch im Umgang mit Menschen merkt man, dass Elysia noch eine Beta-Version ist. Ihr Verhalten ist sehr zurückhaltet und distanziert, da ihr alles fremd vorkommt. Diese Unsicherheit zeigt sich aus, als sich nach und nach herausstellt, dass sie ein eigenständiges Wesen ist, dass sehr wohl über Gefühle und eine eigenen Meinung verfügt. Aber meiner Meinung nach auch verständlich. Wer wäre nicht verwirrt, vor allem wenn man bedenkt, dass sie vorher schon einiges über defekte Klone und dessen Eliminierung gehört hat. Ich kann total nachvollziehen, dass sie da ihre Entdeckung erst einmal für sich behält.

Insgesamt hat mir Elysia, außer in der ein oder anderen Handlung, in der ich ihr Verhalten nicht ganz so nachvollziehen konnte, doch sehr gut gefallen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass man natürlich hauptsächlich ihre Sicht der Geschichte erfährt. Andere Charaktere sind weit weniger tiefgründig als sie, sodass als Leser nicht ganz das Gefühl für die Empfindungen usw. bekommt.

Kleiner Minuspunkt: Das Ende
Hier war ich für einen kurzen Moment echt richtig sauer auf die Autorin. So einen miesen Cliff-Hanger, und dann noch so ein unerwarteter, an die Stelle zu schmuggeln… Richtig gemein. Ich hasse es wirklich über alles, wenn Bücher dann enden wenn’s noch einaml spannend wird. Jetzt bin ich natürlich total neugierig wie es mit Elysia weitergeht. Ich freue mich also riesig auf die Fortsetzung:)


Ich bin im Moment der totale Dystopie-Fan, weshalb Beta für mich ein absoluter Must-Read war. Und ich wurde nicht enttäuscht. Mit dem Leben in Demesne hat Rachel Cohn eine rosarote Welt geschaffen, die auf den ersten Blick makellos erscheint. Doch nimmt der Leser seine rosarote Brille ab und schaut hinter die Kulissen sieht es ganz anders aus. Es wird viel Wert auf die unterschiedlichsten Gefühle und Emotionen, wie die emotionslose Art, die alle seelenlosen Klone mit sich tragen innehaben gelegt. An manchen Stellen haben sich die Beschreibungen jedoch etwas langgezogen und Beta kam mir eher wie eine lange Einführung in die eigentliche Geschichte vor. Im Gesamten gesehen war ich jedoch von der Spannung gepackt und mit großer Begeisterung Elysias Entwicklung verfolgt. Im Verlauf der Geschichte fielen mir mehrmals kleinere Logikfehler auf, die ich aber nicht als weiter störend empfand.




 
Rachel Cohn ist seit Jahren eine renommierte Autorin für Jugendbücher und hat bereits zahlreiche erfolgreiche Romane veröffentlicht. Unter anderem schrieb sie gemeinsam mit David Levithan „Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht“ (nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis). Sie hat keine Hobbies, es sei denn, man zählt die Suche nach dem perfekten Cappuccino darunter. Und sie verbringt viel Zeit damit, ihre Musiksammlung und ihre Bücher zu sortieren, oder mit ihren beiden Katzen Bunk und McNulty herumzuhängen.[Quelle: cbt]

Mittwoch, 23. Januar 2013

(Rezension) "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche

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Nach einer missglückten Intimrasur liegt die 18-jährige Helen Memel auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf und wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern. Schließlich ist das Krankenhaus der geeignete Platz um die beiden Getrennten wieder zusammenzubringen. Unterdessen versucht sie ihre Langeweile und Einsamkeit zu überspielen, indem sie über ihr Leben sinniert und sich allerlei Teilen und Flüssigkeiten ihres Körpers widmet. Und so hört man ihr gewissermaßen am hygienischsten Ort der Welt dabei zu, wie sie sich Gedanken über ihren Körper und Dinge macht, über die gewöhnlich nicht gesprochen wird. Außerdem scheint es so, als ob der Krankenpfleger Robin ihr Interesse geweckt hätte…


Zum Schreibstil weiß ich nicht so genau was ich schreiben soll. Auf der einen Seite ist er gar nicht mal so schlecht. Sehr locker und leicht, sodass man das Buch recht zügig durchlesen konnte. Andererseits ist der Stil (und auch die Sprache) ziemlich provokativ, sagen wir „frei und gerade heraus“, womit nicht jeder zurechtkommt, aber genau Helens Persönlichkeit widerspiegelt. Doch auch der Humor kommt in diesem Buch nicht zu kurz. Und das lockert nach meiner Meinung das ganzen wieder ein bisschen auf.




Was ich bisher so zu „Feuchtgebiete“ gelesen habe, beispielsweise auf amazon.de war recht widersprüchlich. Es ist ein total umstrittenes Buch, was mich aber nicht wirklich abgeschreckt hat. Im Gegenteil ich habe versucht recht neutral an das ganze heran zu gehen und mir meine eigene Meinung zu bilden.

Kurz zusammengefasst dreht sich im Buch alles hauptsächlich um Körperöffnungen und –flüssigkeiten und was man damit alles anstellen kann. Helen macht im Krankenhaus fast nichts anderes, als sich ihre Zeit mit solchen Gedanken zu vertreiben. Außerdem philosophiert sie darüber, wie übertrieben Hygiene ist und verschont einen dabei nicht einmal vor dem allerkleinsten Detail. Im Gegenteil es scheint ihr sogar Spaß zu machen. Sie spricht einfach das aus, was sie denkt und sich andere niemals getrauen würden. Leider überspannt sie hierbei öfters mal den Bogen. Doch nicht nur ihr Verhältnis zu Bakterien und Keimen ist fragwürdig… Sie führt mit ihren gerade einmal 18 Jahren ein ziemlich übertriebenes Sexualleben, welches ich eher seltsam und wenig überzeugend finde. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe sie dafür eher belächelt als wirklich für voll genommen. Und so wird es vielleicht auch anderen gehen. Ich glaube nämlich nicht, dass die angesprochenen Themen der Hauptgrund sind, warum dieses Buch so umstritten ist. Ich denke, es liegt viel mehr daran, dass das Meiste ziemlich eklig beschrieben wurde und damit nicht jeder umgehen kann. Und daher ist es für manche einfach niveaulos und für andere eben nicht. Beim mir ist es so, dass ich immer versuche mit Humor an solche Sachen heranzugehen, sprich gelassen zu sein. Sexualität gehört nun mal zu unserem Leben dazu und sollte eigentlich ein ganz normales Thema sein. (Ohne gäbe es uns Menschen schließlich gar nicht!) In unserer Gesellschaft ist es dennoch teilweise ein Tabuthema.

Allerdings gebe ich zu, dass es mir an manchen Stellen auch zu eklig geschrieben war und ich das Buch zugeklappt habe, um mir eine Pause zu gönnen. Einfach an etwas anderes denken. Man kann manchmal halt nicht nachvollziehen, wie Helen sich für z.B. Körperflüssigkeit begeistern kann. Auch ihre Meinung gegenüber Hygiene konnte ich bei der ein oder anderen Sache nicht unterstützen…Also ich bin weiß Gott keine Hygienefanatikerin, die keine Ahnung dreimal am Tag duschen muss oder sich alle 5 Sekunden die Hände wäscht, aber wie verantwortungslos Helen damit umgeht… Es ist ein Wunder, dass sie sich bis jetzt noch mit keiner ansteckenden Krankheit angesteckt hat.

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, habe ich im Internet ein bisschen über Charlotte Roche recherchiert und auch ein paar Interviews gelesen, da ich unbedingt wissen wollte, wie man auf diese ganzen Idee kommt. (Kann ich euch nur empfehlen!) Jedenfalls muss ich sagen, dass ich dadurch besser verstehen kann, was sie uns mit ihrem Roman sagen möchte. Charlotte Roche spricht verschiedene Tabuthemen an und versucht dabei eine andere Sichtweise zu zeigen. Beispielweise die Hygienehysterie bei Frauen und Männer, wenn es um Körperbehaarung geht. Welche Frau trägt heutzutage eigentlich noch Achselhaare? Wenige bis keine und warum? Weil man ansonsten als Außenseiter da stehen und diskriminiert werden würde. Das hat Charlotte Roche am eigenen Leib erlebt, als sie noch als Moderatorin auf Viva gearbeitet hat. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum man da so ein Drama draus macht, jeder sollte doch mit seinem Körper umgehen dürfen wie er möchte. Andere geht das doch gar nichts an. Die sollen sich um ihren eigenen Kram kümmern.

Außerdem sollte man sich nicht immer nur von dem Offensichtlichen beeinflussen oder abschrecken lassen sollte (an welche man sich später auch irgendwie gewöhnt), sondern zwischen den Zeilen lesen. Wenn man das hier bei „Feuchtgebiete“ mal macht, dann wird man erkennen, dass es nicht nur um Helen, ihr Sexualleben, ihre Körperflüssigkeiten, etc. geht, sondern um ein ziemlich einsames und sensibles Mädchen, das sehr unter ihren Familienverhältnissen leidet, immer wieder nach Liebe sucht und mit aller Macht möchte, dass das zerrüttete Familienleben wieder zu einem Ganzen wird.



Gerade die letzten 10-15 Seiten fand ich Feuchtgebiete sehr gelungen. Besonders Helen, eine wirklich interessante Person, hat mich hier noch überzeugt. Allerdings insgesamt betrachtet fehlt es doch an einigem, um dieses Buch als einen guten Roman zu bezeichnen. Die Handlung ist jetzt nicht irgendwie lahm, aber auch nicht überaus spannend, eher durchschnittlich. Ein kleiner Tipp von mir: Wer dieses Buch bewusst liest, sollte nicht anfällig für Ekel sein, sondern auch recht locker mit manchen Themen und Sexualität umgehen können.





Charlotte Roche, 1978 in Lodon geboren, war Moderatorin u.a. für VIVA, 3sat und das ZDF und wurde mit dem Grimme-Preis sowie dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, "Feuchtgebiete", der mit seiner radikalen Offenheit eine gesellschaftliche Debatte auslöste. Charlotte Roche lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Köln. [Quelle: weltbild.de]