Freitag, 27. Dezember 2013

(Rezension) "Das verbotene Glück der anderen" von Manu Joseph

 
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Der siebzehnjährige Unni Chacko hat etwas Schreckliches getan. Drei Jahre nach seinem Selbstmord erhält sein Vater, der Journalist Ousep Chacko, mit der Post ein Päckchen mit einem Comic seines künstlerisch hochbegabten Sohnes Unni - ein Irrläufer, der Ousep erneut auf die Suche nach den Gründen für den Tod seines Sohnes schickt. Er befragt seine ehemaligen Freunde, besucht Treffen der Comic-Zeichner, belästigt einen berühmten Neuropsychiater, entdeckt das ungewöhnliche Leben seines Sohnes und dringt zugleich immer tiefer in die Geheimnisse der eigenen Familie ein.

Manu Joseph hat einen ganz eigenen Schreibstil, der wie der Rest des Buches nur schwer zu beschreiben ist. Seine Worte erzeugen einfach eine wunderbare, stimmige und besondere Atmosphäre. Genauso wunderbar ist es ihm gelungen die indische Kultur in die Geschichte einzuflechten und seinen Lesern einen Einblick in das alltägliche Leben und in das Benehmen der Menschen zu verschaffen. Sein Fokus liegt dabei überwiegend auf der Stellung der Frau. 


Stellt euch vor ihr denkt, dass ihr eine Person in und auswendig kennt, ihr denkt ihr wisst alles über sie, ihr denkt, ihr kennt ihre Gedanken, Gefühle, Probleme etc. und müsst dann feststellen, dass ihr eigentlich gar nichts über den- oder diejenigen wusstet, keinen Ahnung hattet was ihn beschäftigt oder bewegt hat. Genauso geht es Ousep Chacko als sein Sohn Unni von heute auf morgen Selbstmord begeht ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen, der seiner Familie vielleicht einen kleinen Hinweis geben könnte. Seitdem sind nun drei Jahre vergangen, doch diese eine quälende Frage ist immer noch präsent. Als Ousep Chacko einen Comic seines Sohnes per Post erhält, fasst er neuen Mut und macht sich auf, um im Umfeld von Unni herauszufinden, warum sich dieser umbrachte.

Das ist jedoch nichts das einzige Geheimnis das sich im Laufe des Buches enthüllt. Dadurch, dass die Geschichte auch aus anderen Sichtweisen z.B. aus der von Unnis Mutter Mariamma oder seines kleinen Bruder Thoma erzählt wird, gelangen wir immer mehr in die Tiefe und können die Zusammenhänge erkennen. Und dann wären da noch die Geschichten die Freunde und Bekannten über Unni erzählen, wodurch der Leser Unni kennenlernt. Aber auch sein Vater lernt seinen Sohn noch einmal von einer ganz neuen Seite kennen und letztendlich auch dessen Geheimnisse.

Zu Beginn habe ich wirklich ein wenig gebraucht um mich an die Erzählweise des Autors und die ungewöhnliche Atmosphäre, die einen begleitet, zu gewöhnen. Darüberhinaus war mir alles etwas zu langatmig, da ich auf den ersten Seiten kaum Handlung wahrnehmen konnte. Als ich diese Hürde erst einmal überwunden hatte, habe ich die Geschichte einfach nur genossen. Je weiter man liest, desto mehr taucht man in das Geschehen ab. Fast automatisch stellt man zudem Vermutungen über Unnis Bewegründe an, die ich jedoch jedes Mal wenn ich dachte, dass ich recht haben könnte, wieder fallen lassen musste.

Zu den Charakteren möchte ich eigentlich nicht viel sagen, da man sie einfach selbst erleben muss, um den Charme, der von ihnen ausgeht spüren zu können. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, aber Manu Joseph ist es gelungen sie wirklich äußerst authentisch darzustellen, sodass man sich durchaus vorstellen könnte ihnen in Wirklichkeit zu begegnen.

Neben einigen humorvollen Stellen und Gedankengänge, gibt es auch viele, die einen zum Nachdenken bringen, beispielsweise Unnis Vorstellungen von der Welt, die mich einerseits sehr verwirrt, anderseits aber auch irgendwie fasziniert haben. Vor allem aber hat mich beeindruckt mit welchen Themen er sich beschäftigt hat – und zwar nicht nur mal so, sondern richtig philosophisch und weise. 


„Das verbotene Glück der anderen“ von Manu Jospeh ist so ganz anders wie alle anderen Bücher, die ich bisher gelesen habe. Zwar habe ich zu Beginn ein wenig gebraucht um mich an die Erzählweise des Autors und die ungewöhnliche Atmosphäre zu gewöhnen, was sich mit der Zeit jedoch gelegt hat. Von da an habe ich die Geschichte einfach nur genossen und mich überraschen lassen wie sich alles entwickeln wird. Nachdem ich die letzten Seiten gelesen und das Buch zugeschlagen hatte, hatte ich einerseits das Gefühl vollkommen leer zu sein, andererseits sammelten sich in meinem Kopf bereits viele neue Fragen, denen ich noch eine Weile nachgehangen bin.
 




Manu Joseph, geboren 1974 in Kottayam, lebt in Delhi und ist Herausgeber des "Open Magazine". Er war u. a. Redakteur bei "The Times of India", veröffentlichte 2010 den Roman "Serious Men", der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, auch auf Deutsch erschien und für den er 2010 den Hindu Literary Prize erhielt. [Quelle: Verlagshomepage C.H.Beck]





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- Sarina