Dienstag, 22. Oktober 2013

(Rezension) "Vergiss den Sommer nicht" von Morgan Matson

 
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Bisher ist die siebzehnjährige Taylor immer davon gelaufen, wenn es brenzlig für sie wurde. Doch als ihr Vater an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und die Ärzte nicht mehr viel für ihn tun können, bleibt ihr keine Wahl: Sie muss sich der Situation stellen. Dazu gehört zum Beispiel genau an den Ort zurückzukehren, in dem sie vor fünf Jahren ein heilloses Chaos hinterlassen und bis heute nie wieder betreten hat. Da sich ihr Vater jedoch nichts sehnlicher wünscht als einen letzten gemeinsamen Sommer in ihrem Haus in Pennsylvania zu verbringen, erfüllt ihm seine Familie diesen Wunsch...

Morgan Matson hat einen frischen und jugendlichen Schreibstil, der sich überaus flüssig lesen lässt, obwohl die Stimmung alles andere als fröhlich ist. Sie beschreibt detailliert und äußerst bildlich die Umgebung, Gefühlswelten und Gedanken, ohne dabei zu blumig oder verschnörkelt zu werden. Ihre Stärke liegt darin die Emotionen von den Buchseiten an den Leser zu transportieren und ihn mit an den Lake Phoenix zu nehmen um Teil der Geschichte zu werden. 

Das Buch ist so geschrieben, dass man von der ersten Seite an in die Handlung  eintaucht und alles um sich herum komplett ausblendet. Man lässt sich einfach mitreißen und von den Worten der Autorin treiben- egal, ob gerade etwas Spannendes passiert oder nicht.

Die Autorin lässt sich viel Zeit, um ihre Charaktere wachsen zu lassen, wodurch sie unglaublich glaubhaft und authentisch herüber kommen. Außerdem macht es dem Leser so viel mehr Spaß mitzuerleben, wie sie erwachsener werden, dazulernen und neue Erfahrungen fürs Leben sammeln. Darüberhinaus lässt man sich von den vielen Emotionen einnehmen und lächelt, trauert oder weint mit ihnen mit. Mir kam es schlichtweg so vor, als wäre ich ein Teil des Ganzen und nicht bloß ein „Zuschauer“.

Taylor war mir von Anfang an sehr sympathisch und ich konnte mich total gut in sie hineinversetzen. Sie ist ein unsicheres, introvertiertes Mädchen, das sich schwer dabei tut sich ihren Ängsten zu stellen. Immer wenn es brenzlig wird, sie eine Entscheidung treffen, ihre Gefühle offenbaren oder jemandem an sich heranlassen muss, läuft sie davon. Das ist ihre Allzwecklösung. Doch vor manchen Situationen im Leben kann man nicht entgegen, egal wie oft man versucht ihnen aus dem Weg zu gehen…

Abgesehen von Taylor gibt es natürlich noch viele andere Charaktere, die wirklich genauso klasse waren. Henry, Taylors erste große Liebe, war mir auch gleich sehr sympathisch, da er im Gegensatz zu viele männliche Charaktere in keinsterweise irgendwie unglaubwürdig wirkt. Henry ist einfach ein ganz normaler Junge, der die Natur liebt, seine Zeit gern im Wald verbringt und sich super mit Bäumen und Tieren auskennt.

Einer meiner Lieblinge war jedoch Taylors Vater, einer der wunderbarsten Menschen, die ich je in einem Buch kennenlernen durfte, sodass es einem umso ungerechter erscheint wie böse das Schicksal ihm zusetzt. Wie mag es da erst Taylor gehen, schließlich ist ihr Vater ihre absolute Bezugsperson und mitunter der einzige der sie versteht – auch wenn sie nichts sagt. Die beiden haben so eine intensive Beziehung zueinander, die durch die Erkrankung noch weiter zunimmt.

Taylors Familie ist zu Beginn kaum als solche zu bezeichnen. Jeder zieht sein eigenes Ding durch, ohne Rücksicht zu nehmen oder ein gewisses Verständnis füreinander aufzubringen. Über Gefühle oder die Krankheit des Vaters, die alle ganz offensichtlich zu schaffen macht, wird schon mal gar nicht geredet und selbst die Geschwister können nicht viel miteinander anfangen, was ich wirklich etwas traurig fand. Aber das verändert sich natürlich mit dem Voranschreiten der Krankheit ihres Vaters. Sie sehen ein, dass sie einander brauchen und deshalb zusammenhalten müssen.

Darüberhinaus geht es Morgan Matson um den Mut, über seinen eigenen Schatten zu springen, sich dem Leben zu stellen und das Beste aus einer ausweglosen Situation zu machen. Denn auch wenn man im Moment keine Lösung sehen mag, gibt es für jedes Problem einen Ausweg. Man muss ihn nur finden...


Vergiss den Sommer ist ein sehr tiefgründiges Buch, dass ich so schnell nicht vergessen werde. Von der ersten Seite an versinkt man in der Handlung und lässt von den Worten der Autorin mitreißen. Man begleitet Taylor durch einen Sommer, den sie nie vergessen wird, ein Sommer in dem sie lernen muss sich ihren Ängsten zu stellen, aber auch Abschied zu nehmen. Dabei ist jede kleine Szene, jedes kleine Detail einfach nur wundervoll und aus der Geschichte nicht wegzudenken.
 




Morgan Matson studierte Schreiben für junge Leser an der New School. Road-Trips quer durchs Land sind ihre große Leidenschaft und sie hat schon drei Mal die USA durchreist ... bis jetzt. Zurzeit lebt sie in Los Angeles. [Quelle: Verlagshomepage Random House]

 





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- Sarina