Freitag, 18. Oktober 2013

(Rezension) "Aufbruch: Partials I" von Dan Wells

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Um den Isolationskrieg zu gewinnen, haben die Menschen vor elf Jahren die Partials erschaffen. Als der Sieg schließlich errungen war, haben sich diese „künstlichen“ Soldaten gegen ihre Schöpfer erhoben und ein Virus freigesetzt, das 99,996% der Bevölkerung tötete. Die wenigen Überlebenden haben sich auf Long Island zurückgezogen und kämpfen seitdem jeden Tag um den Erhalt ihrer Spezies. Das RM-Virus ist noch immer präsent und fordert unbarmherzig seine Opfer.

Als Madison schwanger wird, schwört die sechzehnjährige Kira alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen um das Baby ihrer Ziehschwester zu retten. Doch für dieses Ziel gibt es nur einen Weg: Sie muss ins Gebiet der Partials reisen...


Dan Wells schafft es die Geschehnisse in seiner dystopische Welt glaubhaft herüberzubringen, sodass ich von der ersten Seite an ganz gespannt war, was mich noch alles erwarten wird. Sehr authentisch ist auch seine Darstellung des RM-Virus, sodass ich keinesfalls an der Glaubwürdigkeit gezweifelt habe. Seine Erzählweise ist äußerst rasant und stets Action-und Handlungsorientiert. Allerdings schafft er es selbst in dieser ernsten Lage eine ordentliche Portion Humor (in Form von sarkastischen Sprüchen und schlagfertige Antworten) an den Tag zu legen, die die Atmosphäre auflockern und den Protagonisten helfen wenigstens für kurze Zeit etwas Spaß zu haben. Ihr Alltag besteht nämlich hauptsächlich aus Ängste und der ungeheuren Entschlossenheit, ein Heilmittel gegen das Virus zu finden.


Wer mich schon ein wenig länger verfolgt, weiß dass ich sehr gerne Dystopien lese und mich gerne düsteren Zukunftsaussichten stelle. Aus diesem Grund bin ich natürlich immer auf der Suche nach neuem Lesefutter aus diesem Genre. Die vielen positiven Rezensionen haben mich letztendlich auf dieses Buch aufmerksam gemacht und mich davon überzeugt, dass ich Partials unbedingt lesen muss.

Und der Beginn der Geschichte konnte meine Erwartungen bereits komplett gerecht werden. Dan Wells lässt seine Leser sofort in die schockierende Welt von Long Island im Jahr 2076 eintauchen und hautnah am Tod eines drei Tage alten Säuglings miterleben. Seit dem Zusammenbruch ist das die durchschnittliche Lebenserwartung eines neugeborenen Kindes und damit der bittere Alltag der Menschen. Der bittere Alltag in einer Welt, die zu schockieren weiß!

Um die Wahrscheinlichkeit eines gesunden Säuglings zu erhöhen, wurde das sogenannte Zukunftsgesetz erlassen, welches alle Frauen ab dem 18. Lebensjahr gesetzlich dazu verpflichtet, so schnell wie möglich schwanger zu werden. Diese Anordnung hat mich zusätzlich noch einmal den Atem anhalten lassen, vor allem nachdem zu vernehmen war, dass das Mindestalter auf 16 gesenkt werden soll. Doch wenn ich es mir so durch den Kopf gehen lasse, finde ich dieses Szenario nicht einmal so unrealistisch. In Deutschland werden schon jetzt immer weniger Kinder geboren…Wer sagt uns also nicht, dass es in der Zukunft vielleicht auch so ein Gesetz geben wird, dass zum Kinderkriegen verpflichtet?

Für mich war es darum kaum verwunderlich, dass die „Kinder“ schon so früh wie möglich erwachsen werden müssen, schließlich wird von ihnen nichts anderes gefordert. Sie tragen alle eine große Verantwortung auf ihren Schultern, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Mit der Zeit jedoch fangen die Charaktere an, die Entscheidungen der Regierung kritisch zu hinterfragen und auf eigene Faust nach einer Lösung zu suchen.

Dazu gehört auch die 16-jährige Kiera, eine wahrhafte Perfektionistin, die alles tun würde um ein Heilmittel zu finden. Diese unerbittliche Entschlossenheit habe ich sehr bewundert, auch wenn diese mir fast ein wenig too much war. Im Nachhinein hat mir schlicht und ergreifend das letzte Fünkchen gefehlt, damit ich sie in mein Herz hätte schließen können. Kiera war mir manchmal zu perfekt. Ich habe Ecken und Kanten vermisst. Gestört hat mich außerdem, dass sie oft von der einen Träumerei zur nächsten gewechselt hat, sowie bei jeder Kleinigkeit, z.B. wenn einer nicht ihren Standpunkt verstehen konnte oder etwas gesagt hat, dass ihr nicht in den Kram passt, ausgeflippt ist.

Über die anderen Charaktere möchte ich nicht weiter eingehen, da sie alle wichtig sind und im späteren Verlauf eine entscheidende Rolle spielen.

„Partials“ ist in drei Teile untergliedert. Teil 1 war auf den ersten Seiten und in den ersten Kapiteln erschreckend, konnte mich aber um ehrlich zu sein nicht so richtig fesseln. Erst ab Teil 2 hing ich förmlich an den Seiten, da es neben vielen politischen und gesellschaftlichen Einblicken, die mich stark an der Regierung zweifeln ließen, viel um die Erforschung von RM dreht, was für mich sehr interessant war.  Der grandiosen dritten Teil, der nur so vor Spannung und Gefahr besteht, macht diese envetuelle Länge allerdings wieder weg


Das einzige, was ich ein wenig bemängeln muss ist, dass mir die ganze Geschichte von der Stimmung ein wenig zu nüchtern war. Zwar hat Dan Wells versucht emotionale Momente einzubauen, doch die Umsetzung ist ihm leider nicht so gut gelungen, weshalb alles sehr distanziert, fast medizinisch steril blieb. Was ich dem Autor auch nicht so abgenommen habe: Seit 11 Jahren wird nun schon ein Heilmittel für RM gesucht, die besten Forscher haben Studien durchgeführt – ohne Erfolg - bis Kira kommt und die alles entscheidende Idee zum Besten gibt. Eine Idee, auf die anscheinend keiner vor ihr gekommen sein soll… Schwer zu glauben!


Mit „Aufbruch: Partials I“ hat Dan Wells eine schockierende und zugleich erschütternde Zukunftsvision geschaffen, die spannend und fesselnd vom Kampf ums Überleben der Menschheit erzählt und zahlreiche überraschende Wendungen parat hält. Was meinen Lesespaß letztendlich ein wenig geschmälert hat, war, dass die ganze Grundstimmung ein zu nüchtern für meinen Geschmack blieb, sodass ich bis zum Schluss auf Distanz gehalten wurde. Nichtsdestotrotz freue ich mich schon sehr auf die Fortsetzung und auf ein weiteres mitreißendes Abenteuer.




Dan Wells studierte Englisch an der Brigham Young University in Provo, Utah. Der überzeugte Mormone war Redakteur beim Science-Fiction-Magazin »The Leading Edge«. Mit »Ich bin kein Serienkiller« erschuf er das kontroverseste und ungewöhnlichste Thrillerdebüt der letzten Jahre. Seine Romane um den jungen Killer John Cleaver sind große Erfolge. »Partials«, der Auftakt zu seiner neuen Young-Adult-Serie, eroberte den US-Buchmarkt im Sturm. [Quelle: Verlagshomepage Piper Verlag]


 





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- Sarina