Sonntag, 1. September 2013

(Rezension) "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes


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Das Leben von Louisa und Will könnten kaum unterschiedlicher sein.

Will führt ein tolles Leben. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, hat eine hübsche Freundin, bereist die verschiedensten Länder und erlebt allerlei Abenteuer. Doch dann verändert ein einziger Moment sein komplettes Leben, sodass von dem einst so lebenslustigen, aktiven Mann nur noch ein Schatten seiner selbst übrig bleibt…

Louisa, auch Lou genannt, stammt hingegen aus eher bescheidenen Verhältnissen, gibt sich mit dem wenigen allerdings zufrieden. Nie wäre sie von allein darauf gekommen irgendetwas an ihrem Leben zu ändern, wäre nicht das Café, in dem sie arbeitet, vom einen auf den anderen Tag geschlossen worden. „Kein Problem. Ich werde schon einen neuen Job finden“, denkt sie sich. Doch wenn man keine Qualifikationen mitbringt, fällt die Auswahl eher bescheiden aus. Letztendlich entscheidet sich Lou für das kleinere Übel und fängt als Pflegehilfe bei den Traynors an. Will, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt, kann dringend etwas Abwechslung gebrauchen…

Im Grunde ist Frau Moyes Schreibstil recht einfach gehalten. Sie erzählt jedoch sehr bildhaft, sodass der Leser bereits nach kurzer Zeit vollkommen in die Geschichte eintaucht und bis zum Schluss alles hautnah miterlebt. Am schönsten ist allerdings zu verfolgen, wie geschickt es ihr gelingt, die verschiedenen Emotionen in die Handlung einzuflechten und dann so authentisch herüber zu bringen, dass sie einem direkt ins Herz gehen. Und auch die Dialoge waren so wunderbar. Auf der einen Seite enthielten sie eine gute Portion Humor, auf der anderen Seite kamen sie mir vor, als wären sie mitten aus dem Leben gegriffen worden.


Seit Monaten schwärmt die halbe Welt ausschließlich von ein und demselben Buch. „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes hat die Bestellerlisten im Sturm erobert…Da konnte und wollte ich mich gegen diesen Hype nicht mehr wehren :) Außerdem habe ich seit längerem kein Buchcover gesehen, das so wunderschön gestaltet ist *.*

Als ich den Klappentext dazu gelesen habe, habe ich mich zunächst auf eine Liebesgeschichte, die mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein wird, doch dass sich dieses Buch mit weitaus tiefgründigeren Themen beschäftigt, habe ich erst festgestellt, als ich schon mitten im Lesen war.

Mit Lou und Will treffen zwei Menschen aufeinander, die kaum unterschiedlicher sein könnten, sich mit der Zeit jedoch schätzen und respektieren lernen. Sie lernen einander besser kennen und versuchen sich gegenseitig zum Leben zu ermutigen. Will möchte Lou dazu bringen, endlich etwas aus ihren Fähigkeiten zu machen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, die Welt mit ihren Augen zu sehen, etwas zu wagen… Ja und Lou setzt alles daran um Will zu zeigen, dass ihn seine Querschnittslähmung keineswegs daran hindern sollte, wieder aktiv am Leben teilzuhaben.

Hach, es ist so schön zu beobachten und zu verfolgen wie langsam mehr aus den beiden wird. Gefühle auf hohem Niveau…Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu Lesen ;)

Doch Frau Moyes spricht auch ernstere Themen an. So zeigt sie erschreckend glaubhaft was für ein eingeschränktes Leben Will führen muss. Einfach Dinge, die für uns Nichtbehinderte selbstverständlich erscheinen oder uns gar nicht bewusst sind, können schon zu Problemen führen, wie z.B. hohe Bordsteine, wenig bis keine Behindertenparkplätze…Zum anderen wäre da die Reaktion der Mitmenschen auf ihn, die mitleidsvollen Blicke, das Getuschel. Als wäre sein Leben nicht schon schlimm genug, kann er sich in der Öffentlichkeit nicht bewegen ohne angestarrt zu werden. Mich hat das sehr zum nachdenken angeregt.

Ein weiteres ganz zentrales, aber auch sensibles Thema, das angesprochen wird, ist die Sterbehilfe. Hier war es für mich wirklich schwer zwischen richtig und falsch, ja oder nein zu entscheiden. Einerseits kann ich Lou verstehen, dass sie es auf keinen Fall zu lassen möchte, dass Will sein Leben beendet. Auf der anderen Seite kann ich seinen Wunsch nachvollziehen, obwohl ich ihn genauso ungern gehen lassen wollte. Ich meine Will ist trotz seines Schicksal immer noch ein eigenständig denkender Mensch (auch wenn das einige vergessen haben). Ich kann sehr gut verstehen, dass er das ganze Mitleid, das Getuschel einfach Leid ist. Zudem wird sich an seinem Zustand nichts verändern, sondern sich eher von Jahr zu Jahr verschlechtern. Möchte man so weiterleben? Ständig Schmerzen haben? Ist das bitte noch ein …Leben? Ich weiß es nicht!

Davor hatte ich ziemlich Angst und das war auch der Grund weshalb ich mich lange nicht an „Ein ganzes halbes Jahr“ rangetraut habe. Solchen Geschichten berühren mich oftmals sehr stark, brennen sich regelrecht in mein Gedächtnis, dass ich noch lange Zeit nach Beenden darüber nachdenken/grübele. Darüberhinaus hatte ich die Befürchtung, dass die Stimmung dadurch gedrückt werden würde, was letztendlich nicht der Fall war. Lou’s und Wills Geschichte ist mit eine der Schönsten, die ich je gelesen habe. Und daran haben nicht zuletzt die Charaktere einen ganz entscheidenden Beitrag geleistet. Sie sind so natürlich, dass man das Gefühl hat, ihnen jederzeit im wahren Leben begegnen zu können. Beide haben mein Herz im Sturm erobert: Lou, die nur so vor Lebensfreude sprüht mit ihrer humorvollen Art, Will mit seinem Charme und seinem Sarkasmus, der mir stets ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hat.

„Warten Sie noch eine Minute, Clark.“
Ich drehte mich zu ihm um. Wills Gesicht lag im Schatten und ich konnte ihn nicht deutlich sehen. „Warten Sie noch. Nur eine Minute.“
„Alles in Ordnung?“
Ich ließ meinen Blick an seinem Stuhl hinabwandern, fürchtete, dass er irgendwo eingeklemmt war oder festhing und dass ich etwas falsch gemacht hatte.
„Es geht mir gut. Ich will einfach…“
Sein Hemdkragen hob sich hell von dem dunklen Jackett ab.
„Ich will einfach noch nicht hineingehen. Ich will einfach hier sitzen und nicht daran denken…“
Er schluckte. Sogar im Halbdunkel wirkte dieses Schlucken mühsam.
„Ich will einfach… ein Mann sein, der mit einem Mädchen in einem roten Kleid im Konzert war. Dieser Mann will ich einfach noch ein paar Minuten länger sein.“
(S. 238)


Von Zeit zu Zeit sind kleine Wendungen eingebaut, sodass es immer spannend bleibt. Die Gefühle nehmen konstant zu und gewinnen nach und nach an Intensität. Vor allem Verzweiflung, Trauer, Angst, aber auch Hoffnung und Liebe. Zum Ende hin wird es dann immer emotionaler und ich konnte die Tränen kaum mehr zurückhalten, vor allem da mir bereits klar war wie diese Geschichte ausgehen wird.


„Ein ganzes halbes Jahr“ konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite einnehmen und nicht mehr loslassen. Hatte ich zu Anfang mit einer einfachen Liebesgeschichte gerechnet, wurde ich schon bald überzeugt, dass es sich in diesem Buch um weitaus mehr dreht. Hier treffen zwei Menschen aufeinander, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten, jedoch im Verlauf eine ganz besondere Beziehung zueinander aufbauen und sich gegenseitig zum Leben ermutigen. Dabei gibt es sowohl schöne als auch unglaublich traurige Momente, die mir gleichermaßen unter die Haut gegangen sind. Hinzukommen mit Will und Lou zwei wirklich wunderbare Charaktere, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und so schnell nicht in Vergessenheit geraten werden. Für mich mein bisheriges Jahreshighlight und eine absolute Lese- bzw. Kaufempfehlung!!
 




Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in Essex. [Quelle: Verlagshomepage rowohlt]





 
  
(erscheint im Oktober)

 






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- Sarina