Sonntag, 11. August 2013

(Rezension) "Nach dem Sommer" von Maggie Stiefvater

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Grace ist 17 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern in Mercy Falls, einer kleinen, waldreichen Gegend in Minnesota. Als Kind wurde Grace von einem Rudel Wölfen angegriffen und konnte nur knapp durch das Eingreifen eines anderen Wolfes vor dem sicheren Tod gerettet werden. Seit diesem Erlebnis stattet ihr genau dieser Wolf jeden Winter einen Besuch ab. Dabei ist sie jedes Mal aufs Neue von seinem Verhalten und seinen ungewöhnlich gelben Augen fasziniert, sodass sie der nächsten Begegnung ungeduldig entgegen fiebert. Doch als im frühen Herbst einer ihrer Mitschüler von Wölfen angegriffen und getötet wird, seine Leiche aber wenig später spurlos verschwindet, kommt ihr langsam der Verdacht, dass das Wolfsrudel möglicherweise ein übernatürliches Geheimnis verbirgt…


Wow, jetzt weiß ich warum alle so von Maggie Stiefvaters Schreibstil schwärmen! Er ist wirklich wunder-, wunderschön. Bereits nach wenigen Seiten war ich völlig verzaubert. Ich habe selten eine Autorin erlebt, die so toll mit Worten umgehen kann wie die liebe Frau Stiefvater. Sie beschreibt nicht einfach null acht fünfzehn, sondern schmückt ihre Sätze so liebevoll und vor allem detailreich aus, sodass man sich alles bildhaft vorstellen kann, ja sich fast mitten im Geschehen wiederfindet.

Ein kleines Beispiel: „(...) So schlichen die Stunden vorbei und die Nachmittagssonne bleichte die Bücher in den Regalen zu blassgoldenen Abbildern ihrer selbst aus, wärmte Papier und Tinte, sodass der Geruch ungelesener Wörter in der Luft hing“ (S.14)

Hallo?! Traumhafter geht’s wohl nicht *.* 

Zu allererst muss ich kurz ein paar Worte zu diesem wunderschönen Cover loswerden. Die ganze Gestaltung...ist die nicht der Wahnsinn? Wer kann da bitte achtlos daran vorbeigehen? Ich bin mit meinen Augen jedenfalls sofort an diesem Buch hängen geblieben und musste mir den Klappentext durchlesen, der mich schließlich davon überzeugt hat, den Inhalt unbedingt kennenlernen zu wollen. Darüberhinaus wollte ich schon lange etwas von Maggie Stiefvater lesen, da ich bereits sehr viel Positives über sie gehört habe. Diese Entscheidung habe ich auch ganz gewiss nicht bereut, aber wenn ich ehrlich bin, bin ich im Nachhinein ein wenig enttäuscht.

Doch bevor ich dazu komme, möchte ich sagen, dass mir die Idee der Geschichte wirklich super gefällt. Ein Werwolf, der sich nicht wie üblich bei Vollmond verwandelt, sondern erst bei Kälte zu einem Wolf wird und wenn es wieder wärmer wird sich zurück in einen Mensch verwandelt. Diese Verwandlung ist allerdings nicht ewig möglich, sondern hört nach einigen Jahren einfach auf, sodass derjenige für immer ein Wolf bleibt.

Klingt richtig spannend oder? Ist es auch, nur hat sich die Handlung im Verlauf des Lesens komplett anders entwickelt als ich es gedacht hatte. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, aber irgendwie ist der Funken nicht über gesprungen.

Maggie Stiefvater hat ihren Schwerpunkt hauptsächlich auf die Gefühle von Grace und Sam gelegt, weshalb die Handlung überwiegend von Romantik und Melancholie geprägt ist. Die Spannung rückt dagegen schrittweise in den Hintergrund, was ja erst einmal nichts Schlechtes ist. Mit der Zeit bzw. nach der ein oder anderen längeren Stelle habe ich mir jedoch ein wenig mehr Dynamik und Pepp in der Geschichte gewünscht. Außerdem ging mir die Beziehung zwischen Sam und Grace viiiel zu schnell. Dem Leser ist zwar Grace Faszination für ihren Wolf bekannt (lässt sich nicht übersehen), dass sie Sams Geheimnis, letztendlich so leicht akzeptiert, war mir dann doch wieder etwas befremdlich. Klar möchten Sam und Grace nun mal die ihnen verbleibende Zeit bis zum nahenden Winter genießen, aber das Zusammenkommen und das anschließende Verhältnis der beiden hätte sich ruhig langsamer gestalten können.

Erzählt wird abwechselnd einmal aus der Sichtweise von Grace und einmal aus der von Sam, wodurch der Leser einen guten Einblick in das Innere und Äußere von beiden bekommt.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich einige Probleme mit der Protagonistin Grace hatte. Irgendwie bin ich mit ihr nicht richtig warm geworden, da mir ihre ganze Art einfach nicht gefallen hat. Besonders ihre „Wolfsbesessenheit“ konnte ich nur bedingt nachvollziehen. Natürlich war dieses Erlebnis, das sie als Kind hatte, bestimmt einschneidend für sie, kann ich ja noch verstehen, aber das sie seitdem so fixiert auf die Wölfe bzw. ihren Wolf (Betonung liegt auf ihren), der ihr damals das Leben gerettet hat, ist…Nein! Diese Faszination war mir viel zu extrem. Den ganzen lieben langen Tag gibt es für sie nur ein Gesprächsthema: ihr Wolf mit den gelben Augen, der da irgendwo in ihrem Wald herumstreunt. Und wehe ihre Freundinnen teilen nicht die gleiche Begeisterung wie sie…Echt ey, im Leben ihrer Freundinnen gibt es ja auch keine andere Dinge, die vielleicht etwas Aufmerksamkeit verdienen. *kopfschüttel*

Sam hat mir im Vergleich wesentlich besser gefallen, obwohl er mir persönlich zu "weich" herüberkam. Im Buch wird er vom Aussehen und Charakter als eine Art Emo beschrieben, was meiner Meinung nach äußerst treffend ist. Sam leidet sehr unter dem ganzen Wolf-Mensch-Ding, vor allem da er deswegen nicht mit Grace zusammen sein kann. Seine Gedanken kreisen also öfters um eher traurigere oder nachdenklichere Themen, was ich nicht schlimm finde, aber etwas Stärke hätte ihm ganz gut getan.

Was mich letztendlich doch noch überzeugen konnte, war der Schluss, da hier endlich die von mir heiß ersehnte Spannung aufkommt. Ich habe mitgefiebert und gehofft, dass am Ende alles gut ausgesehen wird. Doch bevor es dazu kommt gibt es erst einmal noch ein paar unvorhergesehene Wendungen, weshalb ich mich schon auf einen total fiesen Cliffhanger vorbereitet habe, der dann überraschenderweise nicht aufgetaucht ist. Im Gegenteil! Für mich ist Sam und Grace Geschichte eigentlich abgeschlossen, obwohl es in Band 2+3 weitergeht.


Maggie Stiefvaters „Nach dem Sommer“ hat bei mir während dem Lesen eher gemischte Gefühle ausgelöst. Die Grundidee der Geschichte fand ich wirklich sehr gut, doch so ganz konnte mich die Liebe zwischen den Protagonisten nicht erreichen. Das gewisse Etwas hat gefehlt. Dafür konnte mich der wunderbare Schreibstil der Autorin begeistern und die schönsten Bilder vor meinem inneren Auge entstehen lassen. Zum Schluss hin, nahm mich Sam und Graces Welt dann doch noch gefangen, sodass ich das Buch nur ungern aus der Hand gelegt habe.
 




Maggie Stiefvater, geboren 1981, hatte glücklicherweise immer Schwierigkeiten, ihren Hang zu Tagträumereien und Selbstgesprächen mit ihren Jobs zu vereinbaren. Anstatt also als Kellnerin, Kalligraphielehrerin oder technische Redakteurin zu arbeiten, versuchte sie es mit der Kunst. Heute lebt die New York Times-Bestsellerautorin in den Bergen Virginias, ist verheiratet, hütet zwei kleine Kinder sowie zwei neurotische Hunde und hofiert eine verrückte Katze. [Quelle: Verlagshomepage script5]



 







Kommentare:

  1. Ich fand auch nur "ganz ok" mit Tendenz nach unten, weil ich Sam und Grace einfach total langweilig finde und so eine schöne Idee nicht wirklich ausgenutzt wurde ...

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    1. Puh, gut das ich nicht allein mit meiner Meinung da stehe :)
      Genauso ging es mir auch. Die Idee war soo gut und wurde einfach nicht völlig ausgeschöpft. Ich stand mehrere Male wirklich kurz davor es abzubrechen.

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  2. Ich fand das Buch eigentlich ganz gut aber jetzt nicht überwältigend... ;)
    Trotzdem kann ich deine Kritikpunkte irgendwie nachvollziehen... Ich bin schon gespannt, wie die Geschichte dann in Band zwei ist, der liegt nämlich noch auf meinem SuB... :)

    Liebe Grüße, Selina

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    1. Ich fand es ja auch nicht mega schlecht, sondern wie du schreibst nichts überwältigendes. Wenn ich es vergleiche, habe ich schon bessere Bücher gelesen :)

      Ob ich Band 2 lesen werde, kann ich noch nicht sagen. Im Moment jedenfalls habe ich nicht unbedingt den Drang dazu.

      Liebe Grüße
      Rina

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- Sarina