Donnerstag, 30. Mai 2013

(Rezension) "Bauchentscheidung" von Lucy Hay

 
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Die 17-jährige Lizzie hat gerade frisch ihr Abitur gemacht und freut sich schon bald ihr Elternhaus verlassen zu können. Doch ausgerechnet jetzt, wo sie an die Uni gehen will, wird Lizzie ungewollt schwanger. Klar, sie hatte da so einen Verdacht, schließlich hatte sie wenige Wochen zuvor unverhüteten Sex mit ihrem Freund, aber bei dem einen Mal…Nun steht Lizzie vor einer schwierigen Entscheidung: Soll sie das Kind bekommen? Aber was wird dann aus ihre Zukunftspläne? Kann man mit einem Kind trotzdem studieren? Oder sollte sie sich lieber für eine Abtreibung entscheiden? Und wie werden ihre Familie, ihre Freunde und vor allem ihr Freund darauf reagieren? In 6 unterschiedlichen Kapiteln geht Lizzie all diesen Fragen auf den Grund.


Lucy Hays Schreibstil ist locker und einfach gehalten, wodurch sich die Geschichte äußerst flüssig lesen und leicht verstehen lässt. Unterstützt wird das Ganze noch durch die Sprache, die sehr an uns junge Leute angepasst. Vermutlich da sie insbesondere diese Gruppe mit ihrem Buch ansprechen möchte. Darüber hinaus ist mir beim Lesen eine ganz besondere Feinfühligkeit der Autorin aufgefallen, die vor allem darauf bedacht war, die Gedanken, Ängste und Sorgen von Lizzie authentisch herüber zu bringen und für den Leser noch besser nachvollziehbar zu machen. Dieser Kniff hat mir sehr gut gefallen :)


Ich wollte schon seit längerem ein Jugendbuch zu diesem Thema lesen, schließlich ist es kein großes Geheimnis, dass heutzutage sehr viele junge Mädchen schwanger werden. Und spätestens nachdem ich den Film Juno gesehen hatte, war meine Neugier endgültig geweckt. Wie geht es einem Mädchen in meinem Alter, das plötzlich ein Kind bekommt und von einem auf den anderen Tag lernen muss, Verantwortung zu übernehmen? Ach ja und davor ist auch erst einmal zu entscheiden: Möchte ich das Baby behalten oder soll ich lieber abtreiben. Genau diesen Gewissenskonflikt hat Lucy Hay in „Bauchentscheidung“ zum Kernpunkt ihrer Geschichte gemacht. Allerdings gibt es keine Handlung, die sich durch das ganze Buch zieht, sondern einzelne Prologe, die jeweils anders enden und in denen immer eine andere Person Lizzie in ihrer Entscheidung begleitet. Dabei werden alle Möglichkeiten durchgespielt, von Abtreibung, Kind behalten bis hin zu Fehlgeburt und Adoption.

Wie ich finde eine geniale Idee, denn nach jedem Prolog wendet sich das Blatt und der Leser kann eine Fortsetzung in seiner eigenen Fantasie weiterspinnen. Die Autorin schreibt sehr tiefgründig und regt zum Nachdenken an, lässt aber auch immer genügend Freiraum für die eigenen Gedanken. Mir ging es jedenfalls so, dass ich fast automatisch überlegt habe, was ich in Lizzies Situation tun würde.

Apropos…Lizzie mochte ich wirklich sehr gerne und sie war mir auch von Anfang an sympathisch. Das liegt nicht allein daran, dass die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird, sondern größtenteils daran, dass ihre Gefühle und Gedanken so authentisch geschildert wurden. Man kommt gar nicht drum herum eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Außerdem tat sie mir auch ein wenig Leid. Ihre Familienverhältnisse sind nicht gerade die besten. Ihre Mutter und ihr Vater führen eine „On/Off-Beziehung“, das Geld ist knap naja und mit ihren kleinen Schwestern versteht sie sich leider auch nicht wirklich. Kein Wunder also, dass Lizzie sich anfangs sehr hilflos fühlt und allein fühlt. Im Laufe, mit Fortschreiten der Kapitel, macht sie eine schöne Entwicklung durch und gewinnt an Stärke, was vor allem der unerwarteten Unterstützung ihrer Eltern zu verdanken ist.

Von ihrem Freund Mike kann sie nämlich nicht allzu viel erwarten, da dieser selber total überfordert und viel zu unreif ist, um vernünftig und besonnen mit der Situation umzugehen. Man lernt ihn nur ein wenig näher kennen, doch mir hat es völlig ausgereicht. Meine Meinung nach ist Mike ist totaler Vollidiot. In den ersten Kapiteln hatte ich noch Mitleid mit ihm, schließlich ist so eine Nachricht auch für ihn nicht leicht. Wenig später war dieses Mitgefühl jedoch schnell verpufft, er hat sich einfach nur noch widerlich verhalten. Ohne ihn ist Lizzie definitiv besser dran.

Abschließend habe ich noch einen winzigen Kritikpunkt: Das sehr offene Ende… Einerseits passt es natürlich zum Rest der Geschichte, die ja ebenfalls offen gehalten wird, andererseits hätte ich zu gerne erfahren, ob sich Lizzie nun für oder gegen das Kind entschieden hat. Es wird nichts explizit gesagt, sondern nur erwähnt, dass Lizzie mit sich im reinen ist und glaubt die richtige Wahl getroffen zu haben –was immer das auch heißen mag.


Mit „Bauchentscheidung“ hat Lucy Hay eine schöne Geschichte erzählt, die ich in einem Rutsch durchgelesen habe. Obwohl das Buch nur wenige Seite hat, ist es doch sehr tiefgründig geschrieben. Vor allem die Gefühle und die Gedanken der Protagonistin kommen nicht zu kurz. Man kann sich sehr gut in Lizzie hineinversetzen und ihr nachempfinden, wie hilflos und verzweifelt sie mit ihrer Schwangerschaft ist. Lucy Hays Stil gefällt mir auch richtig gut. Die Handlung nicht als fortlaufenden Text, sondern in einzelne Prologe einzuteilen, ist wirklich eine tolle Idee. Ich kann dieses Buch jedem nur empfehlen!
 




Lucy Hay arbeitet als Drehbuchautorin, Werbetexterin und Journalistin. Sie gibt Schreib-Workshops, ist Mitorganisatorin des London Screenwriters Festival und begeisterte Bloggerin. [Quelle: Verlagshompage Rowohlt]

Kommentare:

  1. Ich hab das Buch schon auf einem anderen Blog gesehen und war schon etwas neugierig, obwohl ich solchen Geschichten eher wenig abgewinnen kann. Vielleicht werde ich es mir von einer Freundin ausleihen... :D
    Danke für's Vorstellen :)
    LG
    Boncuk
    http://kitapkulesi.blogspot.de/

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  2. Hello, thank you for this wonderful review of BAUCHENTSCHEIDUNG! I am one happy author :)

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Hallo :)

schön das ihr auf meinem Blog gelandet seid! Wenn ihr wollt, dann könnt ihr mir einen Kommentar da lassen. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen^^ Viel Spaß beim Stöbern!

- Sarina