Freitag, 1. März 2013

(Rezension) "Subway Sound" von Katrin Bongard

 
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Nach der Trennung ihrer Eltern zieht die 14-jährige Livia mit ihrem Vater von Hamburg nach Berlin. Doch so einfach, wie sie sich ihr neues Leben in der fremden Stadt vorgestellt hat, ist es dann leider nicht. Livia fühlt sich zunächst sehr alleine. Ihr Vater hat sich bereits kräftig in die Arbeit gestürzt und daher nur selten zu Hause und in der Schule scheinen sie alle wie Luft zu behandeln. Tja ihr bleibt also nichts anderes übrig, als Berlin auf eigener Faust zu erkunden. Ihr Frust darüber ist allerdings schnell vergessen und schwingt stattdessen in Begeisterung für die schillernden Hauptstadt und ihren Bewohner um. Vor allem die Punks an der U-Bahn-Station ziehen ihre Aufmerksamkeit auf sich. Alle Punks? Nein, besonders der obdachlose Tim scheint ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen zu wollen. Irgendwie fasziniert sie sein Leben auf der Straße. Und so kommt es, dass sie eine Wette mit ihm abschließt: Schafft sie es, 24 Stunden ohne Geld auf der Straße durchzustehen?


Katrin Bongards schreibt und erzählt einfach echt. Da ist nichts gekünstelt, beschönigt und doch kann man sich auch als „Nicht-Berliner“ die beschriebenen Orte wunderbar vorstellen. Außerdem wirkt ihre Story dadurch äußerst glaubhaft und alles andere als realitätsfern. Auch ihrer Charaktere sind recht authentisch und liebevoll gestaltet, sodass man sich gut mit ihnen identifizieren kann.


Bereits von der ersten Seite hat mich die Geschichte sprichwörtlich in ihren Bann gezogen. Der Klappentext versprach jedenfalls schon einiges und hat meine Erwartungen ganz schön hochgeschraubt. Und ich wurde nicht enttäuscht :)

Die Charaktere gefielen mir wirklich gut. Anfangs war ich etwas skeptisch, da ich mich auf eine verwöhnte „Prinzessin“ eingestellt hatte, doch Livia ist alles andere als oberflächlich. Zwar bezeichnet sie sich selbst als verwöhnt und ist sich durchaus bewusst, dass sie es deutlich besser und einfacher hat als viele andere, trotzdem ist sie alles andere als unsympathisch. Im Gegenteil ich fand Livia sehr nett und für ihre 14 Jahre schon recht erwachsen, was vielleicht daran liegt, dass ihre Eltern mehr durch Abwesenheit glänzen. Das fand ich sehr beeindruckend. Ich weiß nicht, ob ich mich mit 14 getraut hätte, mich alleine in einer Großstadt wie Berlin aufzuhalten oder mich mit einem Straßenjungen wie Tim anzufreunden. Sie besitzt definitiv eine große Portion an Willensstärke und Selbstbewusstsein, was sie meiner Meinung nach auch dazu getrieben hat auf Tim’s Wette einzugehen. Gleichzeitig habe ich mich aber auch gewundert, warum es ihr zu Beginn so wichtig war, ihren Mitschüler zu gefallen. Eigentlich könnte es ihr schlicht und ergreifend egal sein. Ist es aber nicht, weshalb sie sich zu einigen ziemlich dummen Aktionen überreden lässt. Im Laufe des Buches, verändert sich Livia allerdings und begreift langsam, wie wichtig es ist sich nicht verbiegen zu lassen nur um dazuzugehören.

Über Tim selbst und seine Geschichte erfährt man leider nicht allzu viel. Es wird nur kurz angeschnitten, warum er auf der Straße lebt. Das fand ich etwas schade, denn ich hätte über seine Beweggründe gerne näheres erfahren. Trotzdem ist er ein toller und authentischer Charakter, der mir sofort ans Herz gewachsen ist. Er ist sehr skeptisch seiner Umwelt gegenüber und lässt sich nur sehr zögerlich auf Livia ein. Ich denke mal, dass das ganz normal ist, wenn man auf der Straße lebt. Dass er es dennoch zulässt, obwohl es ihm sichtlich schwerfällt, finde ich wirklich toll. Mit ihm habe ich fast mehr mitgelitten als mit Livia z.B. als sie ihn vor ihren Freundinnen verleugnet hat. (Diese Freundinnen waren übrigens leicht durchschaubar, was auch Livia nach einiger Zeit merken musste.)

Es ist eben nicht alles rosarot! Und das ist mitunter das Besonderen an dieser Geschichte. In „Subway Sound“ werden Themen angesprochen, die man nicht in jedem Jugendroman findet. Straßenkinder  traurige Realität, jedoch interessiert sich keinen wirklich, wie es für Obdachlose ist kein festes Dach über dem Kopf zu haben. Livia geht es da genauso. Allerdings schaut sie nicht weg, sondern verbringt viel Zeit mit Tim, sodass sie Berlin von seinem Blickwinkel aus kennenlernt.

Ein kleiner Minuspunkt gab es allerdings: Warum bitte, ist die Geschichte nur so kurz? Ich hätte Livia und Tim so gerne noch länger begleitet :(


Mit Subway Sound erzählt Katrin Bongard eine berührende Großstadtgeschichte in der zwei Menschen aufeinander treffen, deren Sichten auf die Welt unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch fühlen sie sich auf irgendeine Weise zueinander hingezogen. Es geht um Freundschaft und darum, zu seiner eigenen Meinung zu stehen, sich nicht zu verbiegen. Doch die Autorin schafft es auch ihre Leser zum Nachdenken anzuregen. Täglich sieht man Menschen auf der Straße, an denen man meistens achtlos vorbeigeht, ohne einen weiteren Gedanken an sie zu verschwenden. Jetzt hinterher werde ich die Tatsache, dass ich genug zu essen und ein Dach über den Kopf habe, nicht mehr so selbstverständlich ansehen. Ein wunderbares Buch, mit viel Einfühlungsvermögen, tollen Protagonisten und unglaublich viel Tiefgang. 
Nicht nur für junge Leser!
 






  Katrin Bongard lebt in Berlin. Dort arbeitet sie als Drehbuchentwicklerin für Film und Fernsehen und parallel dazu als Autorin. Für ihren Debütroman „Radio Gaga“ erhielt sie den Peter-Härtling-Preis, den Preis der Jury der Jungen Leser Wien sowie den Jugendbuchpreis Goldene Leslie.
[Quelle: pinkupyourlife.de]

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- Sarina