Sonntag, 24. März 2013

(Rezension) "Der süße Kuss der Lüge" von Beatrix Gurian

 
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Die 17 jährige Marie-Luise, genannt Lu, und ihr Bruder geraten während einer Spritztour mit dem Auto ihres großen Bruders in eine Polizeikontrolle. Was nun? Schließlich habe sie sich das Auto ja unerlaubt ausgeliehen…Doch die beiden Polizisten scheinen versöhnlich gestimmt zu sein. Besonders einer der beiden, Diego, hat nur Augen für Lu und flirtet sogar mit ihr. Und auch Lu ist sofort hin und weg von dem gutaussenden Mann, sodass sie ihm nur allzu gern ihre Nummer gibt. Noch am gleichen Tag ruft Diego bei Lu zu Hause an und bittet sie um ein Treffen, da er sie unbedingt wiedersehen will. Lu ist überglücklich. Alles scheint perfekt…Bis ihre kleine, heißgeliebte Nichte Ida in einem unbeobachteten Moment spurlos von einem Spielplatz verschwindet. Panisch ruft sie Diego an, denn wenn ihr einer in so einer Situation helfen kann, dann nur er. Wozu ist er schließlich Polizist? Doch plötzlich ist dieser selbst unauffindbar und was noch viel schlimmer ist, Lu muss erfahren, dass Diego gar nicht die Person ist, für die er sich ausgeben hat. Hat er etwas mit der Entführung zu tun? Es beginnt eine nervenaufreibende Suche nach dem kleinen Mädchen, bei der jede Sekunde zählt…


Beatrix Gurian hat einen lockeren und angenehm zu lesenden Schreibstil. Sie beschreibt sehr detailliert und schafft es dem Leser sämtliche Emotionen äußerst überzeugend darzustellen, sodass man mit Lu mitleidet und bangt. Besonders gut gefallen hat mir jedoch wie geschickt Frau Gurian das Wechselspiel zwischen Spannung und Nichtspannung gelungen ist. Sie versteht es ihre Leser auf die falsche Fährte zu schicken! Immer wieder hat sie Hinweise eingestreut, die einen auf die richtige Spur führen aber auch genauso viele, die vom eigentlichen Täter ablenken. Ich konnte nicht anders als durchweg mit zu rätseln und sämtliche Möglichkeiten durchzugehen, wer denn nun der richtige Täter sein könnte.

 
Eigentlich lese ich relativ wenig Jugendthriller, aber „Der süße Kuss der Lüge“ konnte mich wirklich begeistern und mit seiner aufwühlenden Geschichte regelrecht an sich fesseln. Schon auf den ersten Seiten wird eine Spannung aufgebaut, die über das gesamte Buch über konstant bleibt und den Leser bis zum Schluss nicht loslässt. Es gab immer wieder unvorhergesehene Wendungen und Überraschungen, sowie ein Handvoll potenzieller Täter, sodass es gar nicht langweilig werden konnte.

Zu Beginn der Geschichte erhält man im Prolog einen kleinen Vorausblick, bei dem ich mich automatisch gefragt habe, was alles im Laufe der Geschichte passieren wird, damit es zu dieser Szene kommt.

Lu hat mir als Protagonistin richtig gut gefallen und war mir auch gleich auf Anhieb sympathisch. Sie ist das typische Mädchen von Nebenan, vielleicht ein wenig schüchtern, zurückhaltend und mit ihren Extrakilos keine große Augenweide. Gleichzeitig ist sie so kreativ (entwirft ihre eigenen Kleider etc.) und lebensfroh…Aber vor allem unglaublich willensstark. Für ihre geliebte Nicht Ida ist sie bereit alles zu tun – egal ob sie selbst dadurch in Gefahr gerät. Ihre Gedanken und Gefühle sind äußerst überzeugend dargestellt. Allen voran ihre Angst und Schuldgefühle sind jederzeit sehr gut nachvollziehbar. Sie macht sich selbst die größten Vorwürfe nicht richtig auf Ida aufgepasst zu haben. Ich glaube ich würde in so einer Situation auch nicht anders als mit totaler Überforderung reagieren.

Diego hingegen war mir dagegen von Anfang an irgendwie seltsam vorgekommen. Ich hatte gleich den Eindruck, dass er ein Geheimnis verbirgt und etwas nicht mit ihm stimmen kann. Er war einfach viel zu sehr Traumtyp-Like, der zudem noch recht geschwollen daher redet und ein ganz schönes Tempo vorlegt.

Nach und Nach ergaben sich viele Details, wodurch das Buch immer packender und spannender wurde. Die Szene, als Ida verschwindet ist wirklich großartig geschrieben. Ich muss gestehen, dass ich genau wie Lu richtig aufgeregt war. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Allerdings haben die Kapitel aus Idas Sicht dem ganzen noch eins drauf gesetzt, da man in diesen kleinen Szenen die Entführung aus Idas Sicht miterlebt. Die Kleine versucht tapfer zu sein und redet sich ein, dass sie die Bambusprinzessin (Figur aus ihrem Lieblingsmärchen -> im Anschluss an eigentliche Geschichte zum Nachlesen) wäre. Auf der einen Seite ist das richtig süß, doch auf der anderen Seite auch richtig grausam. Ein kleines dreijähriges Mädchen zu entführen, ohne sie mit Essen oder trinken zu versorgen, sie stattdessen zu fesseln, zu knebel und dann alleine zu lassen. Richtig widerlich! Ich glaube nicht, dass ein Kind das so leicht wegstecken wird...

Tja und wie üblich für einen Thriller gibt es auch einige Kapitel, die die Vergangenheit des Täters oder wie in diesem Fall aus Sicht eines mysteriösen „Er“ erzählt. Das finde ich an Thriller immer am spannendsten, auch wenn die Gründe ihres Handels für mich das Erschreckendste am ganzen Buch ist.  

 
Mit "Der süße Kuss der Lüge" legt Beatrix Gurian einen wahren Pageturner vor. Besonders gut gefallen hat mir, dass ich durchweg mitgrübeln und miträtseln konnte. Natürlich möchte man wissen, wer hinter der Entführung steckt. Der Weg bis zur Auflösung ist sehr abwechslungsreich gestaltet. Es gab immer wieder Hinweise, die den Leser von der richtigen Spur ablenkten, sodass ich öfters mal auf dem Schlauch stand. Darüber hinaus spielt die Autorin gekonnt mit den Gefühlen des Lesers und lässt ihn die Bandbreite an Lu’s Emotionen wie Angst, Panik, Spannung etc. durchleben.
Ein mehr als gelungener Jugenthriller, der ganz ohne Blutvergießen auskommt und mich bis auf ein paar Kleinigkeiten sehr begeistert hat.
 







Beatrix Gurian wurde 1961 geboren. Bevor sie ihren Mädchentraum vom Bücherschreiben verwirklichen konnte, studierte sie Theater- und Literaturwissenschaften. Danach arbeitete sie als Redakteurin knapp zehn Jahre bei verschiedenen Fernsehproduktionen. Seit 2000 schreibt sie Romane für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Beatrix Gurian lebt mit ihrer Familie in München. [Quelle: Arena Verlag]

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- Sarina