Mittwoch, 23. Januar 2013

(Rezension) "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche

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Nach einer missglückten Intimrasur liegt die 18-jährige Helen Memel auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf und wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern. Schließlich ist das Krankenhaus der geeignete Platz um die beiden Getrennten wieder zusammenzubringen. Unterdessen versucht sie ihre Langeweile und Einsamkeit zu überspielen, indem sie über ihr Leben sinniert und sich allerlei Teilen und Flüssigkeiten ihres Körpers widmet. Und so hört man ihr gewissermaßen am hygienischsten Ort der Welt dabei zu, wie sie sich Gedanken über ihren Körper und Dinge macht, über die gewöhnlich nicht gesprochen wird. Außerdem scheint es so, als ob der Krankenpfleger Robin ihr Interesse geweckt hätte…


Zum Schreibstil weiß ich nicht so genau was ich schreiben soll. Auf der einen Seite ist er gar nicht mal so schlecht. Sehr locker und leicht, sodass man das Buch recht zügig durchlesen konnte. Andererseits ist der Stil (und auch die Sprache) ziemlich provokativ, sagen wir „frei und gerade heraus“, womit nicht jeder zurechtkommt, aber genau Helens Persönlichkeit widerspiegelt. Doch auch der Humor kommt in diesem Buch nicht zu kurz. Und das lockert nach meiner Meinung das ganzen wieder ein bisschen auf.




Was ich bisher so zu „Feuchtgebiete“ gelesen habe, beispielsweise auf amazon.de war recht widersprüchlich. Es ist ein total umstrittenes Buch, was mich aber nicht wirklich abgeschreckt hat. Im Gegenteil ich habe versucht recht neutral an das ganze heran zu gehen und mir meine eigene Meinung zu bilden.

Kurz zusammengefasst dreht sich im Buch alles hauptsächlich um Körperöffnungen und –flüssigkeiten und was man damit alles anstellen kann. Helen macht im Krankenhaus fast nichts anderes, als sich ihre Zeit mit solchen Gedanken zu vertreiben. Außerdem philosophiert sie darüber, wie übertrieben Hygiene ist und verschont einen dabei nicht einmal vor dem allerkleinsten Detail. Im Gegenteil es scheint ihr sogar Spaß zu machen. Sie spricht einfach das aus, was sie denkt und sich andere niemals getrauen würden. Leider überspannt sie hierbei öfters mal den Bogen. Doch nicht nur ihr Verhältnis zu Bakterien und Keimen ist fragwürdig… Sie führt mit ihren gerade einmal 18 Jahren ein ziemlich übertriebenes Sexualleben, welches ich eher seltsam und wenig überzeugend finde. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe sie dafür eher belächelt als wirklich für voll genommen. Und so wird es vielleicht auch anderen gehen. Ich glaube nämlich nicht, dass die angesprochenen Themen der Hauptgrund sind, warum dieses Buch so umstritten ist. Ich denke, es liegt viel mehr daran, dass das Meiste ziemlich eklig beschrieben wurde und damit nicht jeder umgehen kann. Und daher ist es für manche einfach niveaulos und für andere eben nicht. Beim mir ist es so, dass ich immer versuche mit Humor an solche Sachen heranzugehen, sprich gelassen zu sein. Sexualität gehört nun mal zu unserem Leben dazu und sollte eigentlich ein ganz normales Thema sein. (Ohne gäbe es uns Menschen schließlich gar nicht!) In unserer Gesellschaft ist es dennoch teilweise ein Tabuthema.

Allerdings gebe ich zu, dass es mir an manchen Stellen auch zu eklig geschrieben war und ich das Buch zugeklappt habe, um mir eine Pause zu gönnen. Einfach an etwas anderes denken. Man kann manchmal halt nicht nachvollziehen, wie Helen sich für z.B. Körperflüssigkeit begeistern kann. Auch ihre Meinung gegenüber Hygiene konnte ich bei der ein oder anderen Sache nicht unterstützen…Also ich bin weiß Gott keine Hygienefanatikerin, die keine Ahnung dreimal am Tag duschen muss oder sich alle 5 Sekunden die Hände wäscht, aber wie verantwortungslos Helen damit umgeht… Es ist ein Wunder, dass sie sich bis jetzt noch mit keiner ansteckenden Krankheit angesteckt hat.

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, habe ich im Internet ein bisschen über Charlotte Roche recherchiert und auch ein paar Interviews gelesen, da ich unbedingt wissen wollte, wie man auf diese ganzen Idee kommt. (Kann ich euch nur empfehlen!) Jedenfalls muss ich sagen, dass ich dadurch besser verstehen kann, was sie uns mit ihrem Roman sagen möchte. Charlotte Roche spricht verschiedene Tabuthemen an und versucht dabei eine andere Sichtweise zu zeigen. Beispielweise die Hygienehysterie bei Frauen und Männer, wenn es um Körperbehaarung geht. Welche Frau trägt heutzutage eigentlich noch Achselhaare? Wenige bis keine und warum? Weil man ansonsten als Außenseiter da stehen und diskriminiert werden würde. Das hat Charlotte Roche am eigenen Leib erlebt, als sie noch als Moderatorin auf Viva gearbeitet hat. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum man da so ein Drama draus macht, jeder sollte doch mit seinem Körper umgehen dürfen wie er möchte. Andere geht das doch gar nichts an. Die sollen sich um ihren eigenen Kram kümmern.

Außerdem sollte man sich nicht immer nur von dem Offensichtlichen beeinflussen oder abschrecken lassen sollte (an welche man sich später auch irgendwie gewöhnt), sondern zwischen den Zeilen lesen. Wenn man das hier bei „Feuchtgebiete“ mal macht, dann wird man erkennen, dass es nicht nur um Helen, ihr Sexualleben, ihre Körperflüssigkeiten, etc. geht, sondern um ein ziemlich einsames und sensibles Mädchen, das sehr unter ihren Familienverhältnissen leidet, immer wieder nach Liebe sucht und mit aller Macht möchte, dass das zerrüttete Familienleben wieder zu einem Ganzen wird.



Gerade die letzten 10-15 Seiten fand ich Feuchtgebiete sehr gelungen. Besonders Helen, eine wirklich interessante Person, hat mich hier noch überzeugt. Allerdings insgesamt betrachtet fehlt es doch an einigem, um dieses Buch als einen guten Roman zu bezeichnen. Die Handlung ist jetzt nicht irgendwie lahm, aber auch nicht überaus spannend, eher durchschnittlich. Ein kleiner Tipp von mir: Wer dieses Buch bewusst liest, sollte nicht anfällig für Ekel sein, sondern auch recht locker mit manchen Themen und Sexualität umgehen können.





Charlotte Roche, 1978 in Lodon geboren, war Moderatorin u.a. für VIVA, 3sat und das ZDF und wurde mit dem Grimme-Preis sowie dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, "Feuchtgebiete", der mit seiner radikalen Offenheit eine gesellschaftliche Debatte auslöste. Charlotte Roche lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Köln. [Quelle: weltbild.de]

Kommentare:

  1. Finde deine Rezension äußerst treffend!
    Habe es genau so wie du empfunden, nur hätte ich dem Buch mehr Punkte verliehen, da es nicht oberflächlich war, sondern einen tieferen Sinn enthielt.

    Liebe Grüße,
    Pie Rath.

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    1. Ja vielleicht hätte ich ihm ein paar Punkte mehr geben können, aber es war wirklich nicht ganz so mein Fall :)

      Lg Rina

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- Sarina