Donnerstag, 31. Januar 2013

(Rezension) "Boot Camp" von Morton Rhue


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Der 15jährige Conner hat keine Ahnung, wohin ihn die beiden Fremden bringen, die ihn entführt, mit Handschellen gefesselt und auf den Rücksitz eines Autos verfrachtet haben. Das einzige, was er weiß, dass seine Eltern etwas damit zu tun haben müssen.
Am Ziel der Reise angekommen wird ihm sofort klar, wo er gelandet ist: In einem Boot Camp. Ein Schock! Schließlich ist Conner keiner dieser straffälligen oder drogensüchtigen Jugendlichen, die über keinerlei Werte oder Respekt verfügen und die typischen „Insassen“ einer solchen Einrichtung sind. Im Gegenteil, er ist ein hochintelligenter Junge, der trotz dieser Tatsache einfach nicht denn Erwartung seiner Eltern entspricht. Doch das kann sich ja ändern lassen… z.B. mit einem auf unbestimmte Zeit befristeten Aufenthalt in einem Boot Camp. Und mit dieser Entscheidung ändert sich Conners Leben grundlegend. Fortan ist er willkürlichen Maßnahmen extremer physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt, die nur ein einziges Ziel verfolgen: seinen Willen zu brechen. Dabei ist jedes Mittel recht…


Das Buch ist wirklich äußerst spannend und interessant geschrieben. Es gab kein Moment an dem die Story irgendwie abgeknickt ist. Danke hierfür Morton Rhue. Sein Schreibstil ist wirklich super. Schön flüssig zu lesen, sodass die Seiten nur so dahin fliegen. Zusätzlich sind die Kapitel so unterteilt, dass am Anfang jedes Kapitels ein Gebot bzw. einen Camp Regel steht, die einem gleich einen Blick verschafft, wie es im Camp zugeht.



Bereits auf den ersten Seiten war ich schockiert über die Zustände in Lake Harmony (Harmonie, das ich nicht lache^^). Eigentlich war mir in etwa schon bewusst, wie die Zustände in Boot Camps aussehen, aber meine Vorstellungen wurden bei weitem übertroffen. Von Anfang an werden die Jugendlichen systematisch niedergemacht, gedemütigt und blamiert, um deren Willen zu brechen. Das oberstes Gebot lautet nämlich: Du musst die Autorität von Erwachsenen einhalten und nicht anzweifeln.

Tja und hierfür ist jedes Mittel recht…Die Betreuer sind knallhart und scheinen absolut kein Gewissen zu haben, geschweige denn ein Fünkchen Mitleid oder Nachsicht. Im Gegenteil die Campinsassen (ist meiner Meinung nach passender) werden wegen nichts angebrüllt oder bestraft. z.B. Wenn nicht das sagt wird, was die Betreuer in dem Moment hören möchte. Dann kommt man auf die Isolationsstation, wo sich die Jugendlichen mit dem Gesicht auf dem Boden legen müssen und nur aufstehen dürfen, wenn sie aufs Klo gehen oder etwas essen. Außerdem werden ihnen immer wieder die gleichen Sätze an den Kopf geworfen:

„Du hast es dir selbst zuzuschreiben, dass du hier bist.“, „Alles was du in deinem Leben getan hast, war falsch.“, „Du kommst hier niemals raus, wenn du nicht lernst, Autoritäten zu respektieren.“, „Du musst lernen, dankbar zu sein. Deine Eltern haben dich hierher geschickt, um dich zu retten. Du hast ihnen sehr viel zu verdanken.“ (S.61)

Doch nicht nur die Betreuer sind so grausam. Auch die Jugendlichen untereinander machen sich gegenseitig fertig. Jeder will am besten da stehen und ist sich daher der Nächste. Ich würde sogar fast so weit gehen und behaupten, dass eine gewisse Hierarchie unter den Bewohnern herrscht. Klassische Rollenverteilung: Die Starken dominieren die Schwachen und nutzen jede Chance die Unterlegenheit zu demonstrieren. Vor allem die, die schon länger im Camp sind als Conner, haben alle Lake Harmony Parolen übernommen (glauben sie auch wirklich) und beten sie ständig herunter -> Gehirnwäsche. Aber genau das ist es, was erreicht werden soll. Die Jugendlichen sollen gehorsam sein und gehorchen (am besten keine eigenen Meinung). Allerdings, wer jetzt glaubt, dass derjenige der sich von Anfang an anpasst besser behandelt wird, hat sich geschnitten. Dieses Verhalten wird überhaupt nicht gern gesehen.

„Du machst dir was vor, wenn du denkst, du kommst hier raus, wenn du dich an die Regeln hältst und denen sagst, dass du dein früheres Verhalten bereust. Das reicht nicht. Du musst das wirklich glauben. Du musst überzeugt davon sein, dass du Unrecht getan hast und dass man dich deshalb zu Recht hierher geschickt hat. Die wollen die umpolen. Denen kannst du nichts vormachen.“ (S.74)

Eine ganz zentrale Rolle in diesem Buch spielt das Thema Gewalt. Körperliche und physische Misshandlungen gehören quasi zur Tagesordnung dazu. Allerdings nur indirekt durch die Betreuer. Diese machen sich die Hände nicht schmutzig. Nein, dafür benutzen sie die Gehirngewaschenen Jugendliche. Manchmal wird ein Übergriff sogar ganz bewusst provoziert, indem sie bei einem Vergehen, die komplette Gruppe (oder wie sie es nennen „Familie“) bestrafen. Sie ziehen einige der bereits gesammelten Punkte ab, wodurch alle eine Stufe nach unten gesetzt werden. Und das ein rotes Tuch für alle. Vor allem für diejenigen, die schon 1 Jahr und länger im Camp sind, denn jede höhere Stufe, bringt einen ein Stück mehr in Richtung Freiheit. Dieses Verhalten macht einen doch nur sprachlos. Einfach unmenschlich und verachtend.

Genauso schockiert haben mich jedoch nicht nur die Zustände im Camp, sondern vielmehr auch die Gründe, warum die Eltern ihre Kinder sie dahin geschickt haben.

Conner z.B. ist nicht der Mustersohn und verhält sich nicht so wie sie es seine Eltern möchten. Hinzukommt noch, dass er sich nicht an das Verbot hält, sich nicht mehr mit seiner 10 Jahre älteren Lehrerin zu treffen. Sarah wiederum wurde von ihrem Vater hierher geschickt, weil sie sich nicht der Gemeinschaft der Mormonen anschließen wollte. Und zum Schluss wäre da Pauly: Sein Vater hat ihn nach Lake Harmony geschickt, weil er zu schmächtig und unmännlich ist. Hallo?! Geht’s noch! Klar sollte man Respekt vor seinen Eltern haben und hören bzw. annehmen, was sie einem sagen, doch eine eigene Meinung zu haben ist schließlich auch wichtig.

Apropos Eltern. Auch diese werden ganz bewusst manipuliert. Alle 6 Monate gibt es einen Tag der offenen Tür bzw. Besuchstag. Vorher werden die Jugendlichen natürlich instruiert, damit alles völlig harmlos aussieht und keiner etwas von den Zuständen und Erziehungsmaßnahmen mitbekommt. Es wird nur das gezeigt, was zu sehen sein soll. Richtig scheinheilig (Wird einem aber schon am Anfang bewusst, durch die Namen der verschiedenen Gruppen bzw. Familien: Würde, Wahrheit, Treue, Höflichkeit). Aber auch davor hat Lake Harmony seine Mittel, wie es seinen guten Ruf beibehält. Verschwiegenheitserklärungen müssen unterschrieben werden, sodass keiner außer den Betreuern und Eltern weiß, wo das Kind hin ist.


Ich habe es nicht bereut „Boot Camp“ gelesen zu haben, obwohl ich es für mich größtenteils einfach nur erschreckend war. An manchen Stellen standen mir echt die Tränen in den Augen. Dass es diese Erziehungsanstalten in Amerika tatsächlich gibt, wusste ich zwar, doch dass dort nicht nur schwer erziehbare Jugendlichen von ihren Eltern hingeschickt werden, war mir neu. Ein Kind nach Maß, oder wie? Ob die überhaupt über die Zustände Bescheid wissen? Würde mich wirklich brennend interessieren! Jedenfalls war die Story spannend bis zum Schluss. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen. Außerdem hat mich das ganze sehr sehr nachdenklich gestimmt. Boot Camps sind für mich keineswegs nur Erziehungsanstalten. Für mich sind sie schlichtweg Gefängnisse, in denen Kinder nach Maß herangezüchtet werden sollen. Und da muss sich jeder fragen: Will man das?







Morton Rhue, der eigentlich Todd Strasser heißt, wurde am 5. Mai 1950 auf Long Island, New York, geboren und wuchs auch dort auf. Als junger Mann reiste er durch die USA und Europa und verdiente sich sein Geld z. B. als Schiffssteward und Straßenmusiker. Nach dem Studium arbeitete er einige Jahre als Zeitungsreporter und Werbetexter. Schließlich entschloss sich Morton Rhue dazu, das Schreiben von Büchern zu seinem Hauptberuf zu machen. Seitdem hat er eine große Menge von Romanen und ... [Quelle: weltbild.de]

1 Kommentar:

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- Sarina