Samstag, 29. Dezember 2012

(Rezension) "Wasser für die Elefanten" von Sara Gruen

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Amerika 1931, die Wirtschaftskrise hat das Land fest im Griff. Da kann der junge Tierarzt Jacob Jankowski von Glück reden, als ihm ein Job beim Zirkus angeboten wird. Auch wenn es ein sehr bescheidener Zirkus ist: Nicht einmal einen Elefanten gibt es. Dafür eine wunderschöne Kunstreiterin. Doch Marlena ist verheiratet mit dem wahnsinnigen Dompteur. Irgendwann findet sich doch eine, wenn auch sehr eigensinnige Elefantendame. Keiner kann mit Rosie umgehen – bis Jacob ihr Geheimnis enthüllt. Und als sich gerade alles zum Guten zu wenden scheint, nimmt eine Tragödie ihren Lauf ...

Der Schreibstil ist leicht verständlich und flüssig zu lesen. Doch vor allem auch sehr authentisch. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. In der Gegenwart lebt der 93-jährige Jacob in einem Altersheim. Als in der Umgebung ein Zirkus aufbaut, erinnert sich der grummelige alte Mann an seine eigene Zeit beim Zirkus. Anhand dieser Erinnerungen erzählt er seine Lebensgeschichte, die von Elend, Gewalt, aber auch Liebe und Freundschaft geprägt ist. Dank der gutgewählten Erzählform hat man dabei das Gefühl wirklich mitten im Geschehen zu sein, im Zug mitzufahren oder im Chapiteau zu stehen.


Sara Gruen schildert sehr authentisch das Treiben eines amerikanischen Zirkus Anfang der 30er Jahre, der mit dem Zug von Stadt zu Stadt fährt, ums Überleben kämpft und immer wieder auf der Suche nach neuen Nummern, Artisten usw. ist. Die Situation die herrscht wird keineswegs beschönigt. Man spürt beim Lesen recht schnell die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise: Es mangelt nicht nur an Geld, sondern auch an Schlafplätzen, Hygiene und Nahrung. Egal ob für Menschen und Tiere. Das Leben ist knallhart und hat wenig mit der schillernden Vorstellung  „Zirkus“ gemeinsam, die den Zuschauern vorgegaukelt wird. Jeder, der zu Benzini dazugehört, hat seinen Teil an der Arbeit zu leisten – koste was es wolle.

Trotzdem hat mir die Atmosphäre des Buches mit am besten gefallen. Ich habe mich die ganze Zeit über gefühlt, als ob ich mitten dabei wäre und zusammen mit den ganzen Artisten, Arbeitern und Tieren vom einen Ort zum anderen ziehen würde.
Auch die Charaktere haben mir insgesamt recht gut gefallen. Jacob, unser Protagonist war mir durchweg sympathisch. Man merkt ihm seine Liebe zu den Tieren von der ersten Sekunde lang an. Vor allem die Elefantendame Rosie wächst ihm ans Herz, weshalb er alles versucht, um diese vor dem gewaltbereiten und verrückten August zu beschützen. Er macht im Laufe der Geschichte eine schöne Entwicklung durch. Anfangs eher zurückhaltend, wirkt er doch durch das Bewältigen des harten Zirkusalltags wesentlich erwachsener und reifer. Gleichzeit darf selbstverständlich auch nicht der gegenwärtige Jacob Jankowski vergessen werden. Obwohl dieser bereits 93 Jahre alt ist, funktioniert sein Verstand und seiner Wahrnehmung noch ausgezeichnet, sodass er seine Umwelt recht eindrucksvoll schildert. Ich konnte ihn sehr gut verstehen und mich in ihn hinein fühlen.

Die restlichen Personen waren vom Wesen her etwas voraussehbar waren. z.B. Marlena die schöne Kunstreiterin, August der unberechenbare, gewaltätige Dompteur und Ehemann, die schlichten Gemüter der Arbeiter und der geldgierige und rücksichtslose Zirkusdirektor.
Die Elefantendame Rosie dagegen ist sehr besonders. Auf deren Beschreibung legt Sara Gruen viel Wert. Rosie hat mein Herz im Sturm erobert :) Spätestens als sie dazu kommt, spitzt sich die Handlung von Kapitel zu Kapitel zu. Es wird deutlich gezeigt, dass jeder im Zirkus funktionieren muss. Als Leser wartet man quasi darauf, dass irgendwann der große Knall bzw. Zusammenbruch kommt. Allerdings artet dieser Zusammenbruch in einer wahren Tragödie aus, mit deren Ausmaß ich nicht gerechnet hätte.

Natürlich gibt es wie im Inhalt schon angedeutet wird auch eine Liebesgeschichte erzählt, die sich langsam und heimlich im Laufe der Zeit entwickelt. Jedoch stellt sie längst nicht das zentrale Thema des Buches dar. "Wasser für die Elefanten" erzählt vorwiegend das Leben eines jungen Mannes, der zwar alles verloren hat, aber die Hoffnung auf das Gute nicht aufgibt. Die Geschichte ist sehr rührend und fesselt den Leser bis zum chaotischen Ende.

Sara Gruen beschreibt mal lustig und mal nachdenklich das Leben und Treiben in der bunten und harten Zirkuswelt. Dabei wechselt sie gekonnt zwischen damals und heute, sodass der Leser kein Problem hat dem Geschehen zu folgen. Der Protagonist erzählt von seinen Erinnerungen und seiner großen Liebe und überzeugt sowohl als alter und junger Mann. Jakob Jankowski hat in seinem Leben viel erlebt und es wäre bestimmt interessant sich mit ihm zu unterhalten, da er sehr viel zu erzählen hat. Wunderbar auch die Erzählungen über die Elefantendame Rosie! Für mich ist der Roman ein schönes, ergreifendes Buch und in jedem Fall ein absoluter Lesetipp. Auch wenn das Ende ein wenig unrealistisch ist.




Die gebürtige Kanadierin Sara Gruen zog es zunächst aus beruflichen Gründen in die USA. Als sie dort ihren Job verlor, begann sie zu schreiben. Sara Gruen lebt zusammen mit ihrem Mann, drei Kindern, zwei Pferden, zwei Hunden, vier Katzen und einer Ziege in der Nähe von Chicago. Aus ihrer Feder stammen bereits mehrere tierische Erzählungen.
[Quelle: weltbild]

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- Sarina