Sonntag, 23. Dezember 2012

(Rezension) "Léon und Louise" von Alex Capus


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Alles beginnt mit einem Trauergottesdienst in Notre Dame. Léon, die Hauptperson, ist verstorben, seine Lieben sitzen alle zusammen, als sich die Tür noch einmal öffnet und eine kleine Gestalt mit schwarzem Hütchen zielstrebig die Kirche betritt und sich einen Weg zum offenen Sarg bahnt. Dann verlässt sie die Kirche genauso schnell wieder, wie sie gekommen ist. Natürlich gibt es viel Getuschel, dabei weiß jeder, um wenn es sich bei dieser Dame gehandelt hat: Louise Janvier. 
Ab hier beginnt die eigentliche Geschichte. Léon und Louise treffen sich im Kriegsjahr 1915 in dem kleinen französischen Dorf Saint-Luc-sur-Marne in der Normandie. Léon ist als Morseassistent am örtlichen Bahnhof beschäftigt und Louise arbeitet für den Bürgermeister. Ihre Aufgabe ist es z.B. den Angehörigen von Gefallenen die traurige Nachricht vom „Heldentod“ zu überbringen. Dabei ist sie auf einem alten und quietschenden Fahrrad unterwegs – so sieht Léon sie das erste Mal. 
Tja und mit dieser Begegnung beginnt die Liebesgeschichte zwischen den beiden, die ganz schnell auch ihr Ende nimmt, denn als sie einmal mit dem Fahrrad unterwegs sind und einen Ausflug ans Meer machen, werden sie während eines Fliegerangriffs voneinander getrennt schwer verletzt.
Sie suchen einander, aber niemand kann ihnen wirklich weiterhelfen, schließlich halten sie einander für tot. Erst zehn Jahre später begegnen sich die beiden zufällig wieder – in der Pariser Metro...

Das Buch hat sich recht flüssig lesen lassen und war auch recht gut zu verstehen. Ab und zu, vor allem am Anfang, kam das ein oder andere Fremdwort, dessen Bedeutung ich nachschlagen musste. Auch werden oft französische Worte verwendet, was ich recht schön und passend fand. Schließlich spielt der Roman auch in Frankreich. Ich hätte es glaub ich seltsamer gefunden, wenn nur deutsche Bezeichnungen vorgekommen wären. Außerdem hatte ich 4 Jahre Französich, weswegen es für mich kein Problem war. Etwas verwirrend fand ich jedoch die Erzählperspektive. Zu Beginn ist klar, dass Léon Enkel die Geschichte rückblickend erzählt, doch später war ich ab und zu verwirrt.


Alles in allem erzählt Alex Capus eine schöne Geschichte, die ganz anders verläuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Zwischendurch war sie mir an manchen Stellen zu langatmig und ein bisschen langweilig. Das beispielsweise auch der Grund warum ich sie das erste Mal abgebrochen habe. Beim zweiten Anlauf kam ich wesentlich besser in die Handlung hinein, sodass es mir auch wesentlich besser gefallen hat. Die humorvollen Stellen im Buchen haben dann die eher langweiligeren wieder ausgeglichen. Das beste waren jedoch die Charaktere, da Léon und Louise seit langem mal wieder Protagonisten waren, die mir auf anhieb sympathisch herüberkamen.
Léon, ein eher ruhiger und zurückhaltender Mensch, Louise eher temperametvoll, vielleicht ein wenig kratzbürstig und halsstarrig, aber trotzdem liebenswert. Bewundernswert fand ich jedoch die Beziehung zwischen den beiden. Wenn man es genau betrachtet, dann ist der Verlauf ihrer Liebe ziemlich tragisch. Ein bisschen wie Romeo und Julia. Sie finden zwar immer wieder zueinander, werden jedoch nach gewisser Zeit wieder voneinander getrennt. Und dann nicht nur für ein paar Monate oder Jahre, sondern gleich Jahrzehntelang. Trotzdem vergessen sie sich niemals… Ihre Liebe lebt über die Jahre stets hinweg. Keine Spur Unzufriedenheit. Im Gegenteil die beiden akzeptieren diesen Verlauf. Léon z.B. würde sich nie von seiner Frau scheiden lassen und auch Louise würde nie ihre Liebe zu Léon einfordern. Sie respektieren, wie das Schicksal mit ihnen spielt und schätzen es. Doch auch Léons Ehefrau Yvonne hat nach meiner Meinung Respekt verdient. Obwohl sie von den Gefühlen ihres Mannes Bescheid weiß, würde sie ihn nie Vorwürfe oder Vorhaltungen machen. Das zeugt von großer Toleranz, Anstand und Durchhaltevermögen. Ich weiß nicht, ob ich mit so einer Tatsache umgehen könnte. Anfänglich fand ich sie richtig seltsam und unsympathisch, aber während des Krieges macht sie eine beachtliche Entwicklung durch, die mir gefällt. Lèon und sie sind ein starkes Ehepaar, dass sich voll und ganz vertraut und sich in und auswendig kennt. Ich glaube auch deshalb können sie ihr Leben und die gegebenen Umstände akzeptieren.

Von der Handlung her würde ich 3 von 5 Punkte geben, da mir jedoch der Schreibstil, die Erzählweise und die Beschreibung der Orte sehr gut gefallen haben und ich mich wirklich wie in Frankreich zu Beginn des 21.Jhrt. gefühlt habe, gebe ich 4 Punkte.





Alex Capus wurde 1961 in Frankreich geboren. Er studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und arbeitete während und nach seinem Studium als Journalist und Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und bei der Schweizer Depeschenagentur. 1994 veröffentlichte Alex Capus seinen ersten Erzählband, dem seitdem neun weitere Bücher mit Kurzgeschichten, historischen Reportagen und Romanen folgten. Capus verbindet sorgfältig recherchierte Fakten mit fiktiven Erzählebenen, in denen er die persönlichen Schicksale seiner Protagonisten einfühlsam beschreibt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt; für seine schriftstellerische Arbeit erhielt er zahlreiche Preise. Daneben hat Capus auch als kongenialer Übersetzer von Romanen des US-amerikanischen Autors John Fante gewirkt. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten/Schweiz. [Quelle: weltbild]

Kommentare:

  1. ich mag es wie du rezensionen schreibst :)
    leider ist das ganz nicht wirklich mein genre^^

    übrigens rate ich dir deine kommentarfunktion so zu bearbeiten, dass man den code nicht eingeben muss. Das schreckt auch leser, die nicht kommentarfaul sind, oft ab ;)

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    1. danke :)
      O.O ich hab gar nicht gemerkt, dass man einen Code eingeben muss.
      Habs gleich rausgemacht

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- Sarina